Zeit, dass sich was dreht!
Bekehre du mich, so will ich mich bekehren; denn du, HERR, bist mein Gott! (Jeremia 31,18)
„Bekehren“ ist ein sperriges Wort, es klingt irgendwie befremdlich, unmodern, streng. In der Übersetzung Luthers kommt es gleich doppelt vor, einmal als Handlung Gottes an dem Menschen und zum anderen als Handlung des Menschen an sich selbst. Das hebräische Wort ist „schub“, das häufig mit „zurückkehren“ oder „umkehren“ übersetzt wird. Andere Übersetzungen des Verses verwenden daher zwei verschiedene Verben: „Führ mich zurück und ich will umkehren“ (EU), oder „Bring mich zurück zu dir, lass mich umkehren“ (HFA).
Mich fasziniert gerade die Dopplung des Wortes in diesem Vers, denn sie bringt etwas zum Ausdruck, das mir bei der „Bekehrung“ wichtig zu sein scheint: Es braucht dafür zwei, nämlich Gott und den Menschen. Einer von beiden kann die Bekehrung nicht alleine durchführen. Ich kann Gott um Bekehrung bitten, kann ihn bitten, mich an die Hand zu nehmen und auf den richtigen Weg zu führen, aber dem muss meine eigene Umkehr, meine Erkenntnis, dass ich auf falschem Wege bin, vorausgehen. Und andererseits brauche ich, wenn ich selbst die Wendung zu Gott hin vollzogen habe, auch Gottes Erbarmen und seine liebevolle Zuwendung. Bekehrung ist also ein Prozess, bei dem beide Beteiligten sich einander zuwenden müssen.
Manchmal winkt Gott mit dem Zaunpfahl, wie er es bei Paulus getan hat, als der auf dem Weg nach Damaskus war, um Christen zu verfolgen. Doch auch Paulus musste den letzten Dreh selbst hinkriegen. Er musste erkennen, dass er blind war, dass er seine wahre Bestimmung nicht gesehen hat. Umkehren kann ich letztendlich nur selbst. Bekehrung geht nicht ohne eigenes Zutun. Aber wenn ich es tue, wird Gott mich immer mit offenen Armen empfangen. Gott kann gar nicht anders, so ist es bei Jeremia formuliert. Er muss sich einfach seines geliebten Kindes erbarmen. Wie gut, dass seine Liebe so unerschütterlich ist.
Was bedeutet das jetzt alles für uns in unserem Alltag? Ein Satz aus der bekannten Fußball-Hymne von Herbert Grönemeyer bringt es auf den Punkt: Zeit, dass sich was dreht! Schau mal, wo sich in deinem Leben etwas drehen sollte. Bring Bewegung rein, stell die Dinge auf den Kopf – vielleicht sehen sie dann erst wirklich richtig aus. Habe den Mut, Gegebenes in Frage zu stellen und zu verändern. Und vertrau darauf, dass auch Gott etwas dreht für dich...
Wer sich jetzt nicht regt, wird ewig warten
Es gibt keine Wahl und kein zweites Mal
Die Zeit bereit, nicht zu vertagen
Du fühlst, du träumst
Du fühlst, du glaubst, du fliegst
Du fliegst
Du fliegst
Amen.