sammlung

„Wählen, was bleibt – hoffen, was kommt“

Mutig in Kirche und Gesellschaft glauben, hoffen, handeln

Eine Frau mitten im Sturm

„Fast die ganze Nacht Nebelhörner, schwerer Seegang, es wird kälter.“ So beschreibt Eleanor Roosevelt Anfang 1946 die Überfahrt nach Europa. Sie sitzt in ihrer Kabine, umgeben von Akten, nervös und unsicher. Kurz zuvor hat sie ihrer Tochter geschrieben: „Bete dafür, dass ich in diesem Job zu etwas tauge.“
Was war dieser „Job“? Sie sollte die USA bei der ersten Generalversammlung der Vereinten Nationen vertreten – als Frau, ohne Erfahrung in internationaler Politik, in einer Welt, die gerade erst die Schrecken des Zweiten Weltkrieges hinter sich hatte.
Eleanor Roosevelt hätte kneifen können. Aber sie stellte sich der Aufgabe. Und sie wuchs daran. Später wird sie eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ spielen.
Nach zwei Jahren harter Arbeit entsteht 1948 ein Text, der bis heute weltweit Bedeutung hat. Die ersten Artikel klingen fast wie eine moderne Version von Gottes Verheißung einer neuen Welt:
• Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
• Jeder hat Anspruch auf diese Rechte, ohne Unterschied.
• Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit.
Für Roosevelt und ihre Mitstreiter*innen war das mehr als Politik. Es war Hoffnung in Worte gefasst. Hoffnung auf eine gerechtere Welt – trotz aller Kriegswunden und Gewalt.
Jeden Abend betete Eleanor Roosevelt:
„Lieber Gott, unser Vater,
öffne unsere Augen für die Schönheit, die uns umgibt.
Rette uns vor uns selbst und zeige uns die Vision einer neu geschaffenen Welt. Amen.“
Bereits lange vor Eleanor Roosevelt schrieb Petrus: „Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ (1. Petrus 3,13)
Manche sagen: „Ach, ihr Christen vertröstet euch nur auf den Himmel.“ Aber das stimmt nicht. Wer auf Gottes neue Welt hofft, der fängt schon hier an, Spuren davon sichtbar zu machen.
Dieses „Warten“ ist kein passives Warten wie an der Bushaltestelle. Es ist ein Hoffen, das uns in Bewegung bringt.
Wenn wir uns für Gerechtigkeit einsetzen,
wenn wir nicht wegschauen bei Leid und Ungerechtigkeit,
wenn wir an andere glauben, auch wenn es schwerfällt –
dann leben wir schon jetzt ein Stück von dem, was Gott verheißen hat.
Eleanor Roosevelt hatte keine Garantie, dass ihre Arbeit Erfolg haben würde. Sie hatte nur Hoffnung – und Mut. Und genau das braucht auch unsere Welt heute.

Vielleicht fragst du dich: „Kann mein kleiner Beitrag überhaupt etwas bewirken?“
Die Antwort ist: Ja. Jeder Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Respekt spiegelt etwas von Gottes neuer Welt wider.

Und genau das ist unser Auftrag als Christ*innen: Nicht vertröstet warten – sondern hoffnungsvoll gestalten.

Christian Uhlstein, Landesjugendpfarrer der EKvW
Bibelstellen zur Andacht:
1.Petr 3,13 - 1

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