Voll Vertrauen
Was wir von Walrossen lernen können
Walross müsste man sein – an heißen Sommertagen: Gemütlich auf einem Felsen oder einer Sandbank sitzen und sich nach Belieben in die Fluten stürzen, bäuchlings, wie das Walrosse eben tun, wonnevoll den eigenen Körper hineinschmeißen in das kühle Nass, eintauchen, auftauchen, aus der Tiefe heraus prusten und schnauben.
Walross müsste man sein – im Vertrauen auf Gott. Man müsste Gott so vertrauen können wie die Walrosse ihrem Element, sich einfach ganz hineingeben können in Gottes Liebe.
Im Buch der Sprüche heißt es:
„Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.“ (Sprüche 3,5-6)
Sich von ganzem Herzen verlassen, das fällt uns Kopfmenschen so schwer. Sich verlassen klingt für uns, als müssten wir etwas Wesentliches aufgeben. Wir brauchen immer noch eine Sicherheit, einen Plan B, einen Notanker. Zu groß ist die Angst, wir könnten zu viel vertrauen, enttäuscht werden, uns selbst verlieren. Dabei sind wir doch erst wir selbst durch Gott. Es fällt schwer zu begreifen, dass Gott anders ist als wir Menschen, dass wir ihm wirklich voll und ganz vertrauen können, ohne Netz und doppelten Boden.
Im Freibad ziehen wir die „Arschbombe“ dem „Bauchklatscher“ vor – zu Recht, denn ein „Bauchklatscher“ vom Dreier tut ganz schön weh. Doch bei Gott können wir getrost den „Bauchklatscher“ wagen, denn wir werden nicht hart fallen. Sich mit dem Bauch zuerst ins Wasser stürzen, das bedeutet, sich mit der verletzlichen Seite dem Element ausliefern. Wenn wir mit anderen Menschen zu tun haben, verbergen wir unsere verletzliche Seite meistens, wir zeigen nur die harte Schale, präsentieren uns im besten Licht, offenbaren keine Schwächen. Aber bei Gott können wir das vertrauensvoll tun, er kennt uns durch und durch, und er liebt uns, gerade für diese zarte, verletzliche Seite.
Gott vertrauen, das bedeutet für unseren Alltag nicht, auf Absicherungen zu verzichten, sie haben durchaus eine Berechtigung. Aber Gott vertrauen, das bedeutet, mich darauf zu verlassen, dass Gott es gut mit mir meint und mich auf gute Wege führen wird. Gott vertrauen heißt: Lass dich auf seine Wege ein, auch wenn sie vielleicht anders aussehen, als du es dir vorgestellt hast. Habe den Mut, anderen Menschen zu begegnen, so wie du bist. Du kannst unfassbar viel gewinnen und nur Unbedeutendes verlieren. Vorübergehende Rückschläge und Enttäuschungen wirst du mit Gott an deiner Seite locker wegstecken. Geh das Risiko ein, dass du nicht alles kontrollieren kannst. Suche Gott nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen und der Seele.
„Der Eintritt kostet den Verstand“, hat die Band PUR schon vor 30 Jahren in ihrem Lied „Abenteuerland“ gesungen, und so ist es wohl auch in Gottes Welt. Vermutlich ist es das, was Jesus meint, wenn er sagt, dass die Kinder so viel mehr von Gott verstehen als die Erwachsenen. Denn Kinder haben diese Fähigkeit, sich ganz in etwas hineinzugeben, sich von ihrem Herzen leiten zu lassen. Schalte den Kopf aus, der dir vorgibt, was gut, richtig und vernünftig ist. „Der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft….“ - lass dich von ihm leiten.
Es tut gut zu wissen, dass ich bei Gott alles ablegen kann, was ich mir an rationalen Konstrukten, Schutzpanzern und Absicherungen zugelegt habe, dass ich ihm mein Leben in die Hand legen kann, weil es ihm so unendlich wertvoll ist, dass er selbst das Wertvollste, was er hatte, dafür gegeben hat. Er wird mit zärtlicher Fürsorge darauf achtgeben.
Walross müsste man sein – einfach da sein, sich Gott voll Vertrauen hingeben und seine Liebe dankbar genießen.
Amen.