Versuchung des Konsums gegen Bewahrung der Schöpfung
Früchte und Pflanzen der Bibel - Andachten für jeden Tag
„Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß." (Gen 3,6)
Sehen ist die erste Geste der Frau. Der Baum ist schön, begehrenswert, verheißungsvoll. Das Sehen weckt das Verlangen, das Verlangen ruft zur Entscheidung. Doch der Baum ist verboten. Dennoch sät die List der Schlange Zweifel an Gottes Wort und entfremdet die Frau. Sie gibt nach, verzehrt was ihr nicht gehört. Ihr Mann tut es ihr gleich.
Diese uralte Erzählung spricht mit erschreckender Genauigkeit von unserer Welt. Wir leben in einer Zivilisation des Sehens und Begehrens. Werbung und Konzerne verführen uns mit glänzenden Früchten – billige Kleidung, Billigfleisch, Technologien auf Kosten ausgeplünderter Böden –,
während Bauern verarmen, Arbeiter ausgebeutet werden, Kriege unterstützen und Klimakrisen ganze Völker treffen, die sie nicht verursacht haben. Die Werbung spielt die Rolle der Schlange: Sie sät Zweifel daran, was wir wirklich brauchen, entwertet die Genügsamkeit und überredet uns, dass mehr zu konsumieren besseres Leben sei.
Der Mensch hatte die Wahl. Es gab andere Bäume.
Auch wir haben die Wahl. Wir können wählen, was wir kaufen, was wir wegwerfen, wie wir leben.
Verschwendung ablehnen.
Recyceln statt wegwerfen – denn die Erde gehört uns nicht;
wir sind ihre Hüter, nicht ihre Herren.
Mit Gerechtigkeit zu konsumieren und mit Bewusstsein zu recyceln ist eine Form des Gebets und Ausdruck unserer Liebe zur Schöpfung Gottes.
Text: Jean-Gottfried-Mutombo