sammlung

Und irgendwo ... Dazwischen

Zwischen den extremen christlicher Lebensführung und was dazwischen ist

Und irgendwo … Dazwischen

Vielleicht liegt es an meinem Alter, daran, dass ich Kinder habe, die auch gerade einen Weg suchen oder einfach daran, dass mein Kopf komisch ist… Ich gebe Euch ein paar Ideen wieder, vielleicht könnt ihr damit etwas anfangen.


Das Dazwischen als Raum, der nicht definiert ist, der nicht definiert werden kann, außer dadurch was er nicht ist, fasziniert mich. Dazwischen ist nichts und doch alles.

Im Raum zwischen zwei Menschen ist nichts. Da ist Luft und Sonne und Licht. Mehr nicht. Im Raum zwischen zwei Menschen ist Beziehung. Und was genau ist das? Beziehung? Was passiert da zwischen diesen beiden Menschen? Wer sagt mir, wie es geht, wie es richtig ist?

Zwischen schwarz und weiß liegt das Farbspektrum. Also eine Unendlichkeit der Abstufungen von Farben: Zwischen dem weiß - als Licht und vorhanden seins aller Farben - und dem schwarz - als fehlen allen Lichts. Beschreibe eine Farbe, nur eine einzige. So dass ich sie sehen kann, dass ich weiß, wie sie aussieht, wie sie richtig aussieht?

Das Leben ist -um es mal ehrlich zu betrachten- leider nicht einfach. Selten haben wir ein klares „Ja, so genau ist es“. Da fällt ein „Nein, so nicht“, viel leichter. In Allem, was ich tue merke ich zunehmend, wie wenig echte Klarheit ich in meinem Leben habe.

Und im Glauben? Wie sieht es mit meiner Beziehung zu G*tt aus?

Immer mehr und immer häufiger sind mir aussagen wie: „So ist G*tt.“ – „Das ist Sünde.“ – „So steht es geschrieben.“ suspekt. Ich will ein kurzes Beispiel geben:

G*tt ist der Fels in der Brandung. Ein Bild von Kraft und Zuversicht. Ein Fels, der dem Sturm nicht weicht, an dem man sich anklammern und festhalten kann. Aber auch ein Bild der Unbeweglichkeit. Für Menschen in Booten sogar eine Gefahr. Einen Felsen kümmert der um ihn her tosende Sturm nicht, er bleibt unbewegt und emotionslos. Ein unbeweglicher emotionsloser G*tt?

Ich verstehe sie gut, die Sehnsucht nach der Klarheit, nach der einen richtigen Antwort. Und ich kann das Sehnen nachvollziehen, das G*tt diese letztgültige und klare Antwort ist. Das ich mein Leben, wenn ich es Jesus übergebe, endlich in einer Klarheit und Wahrheit führen und leben kann, die mir außerhalb von Glaube und Kirche so oft fehlt.

Doch, alles, was wir in unseren menschlichen Worten fassen, ist Schall und Rauch. G*tt kann am Ende in keinen menschlichen Worten gefasst werden, da G*tt alles menschliche Denken übersteigt. Der Satz „G*tt ist…“ wird niemals G*tt erfassen können, da G*tt kein Ding dieser Welt ist, dass wir mit Adjektiven beschreiben können. Wir haben lediglich Bilder für ein Ausblitzen von etwas Göttlichem.

Also nochmal: Wie sieht es mit meiner Beziehung zu G*tt aus?

Ich bin im Dazwischen gefangen. Zwischen einem klaren G*tt, der mein Leben regiert und meinen Lebensweg kennt und lenkt. Und einem G*tt, die nur zuschaut und mich eigentlich ganz in Ruhe läßt und die ebenso traurig ist wie ich über die Chancen, die ich ungenutzt lasse. Zwischen einer Welt, die nur G*ttes Herrschaft anerkennen muss und einer Welt, die ohne G*tt auch nicht untergeht. Und ich frage mich ernsthaft, ob G*tt wirklich die Antwort auf alle meine menschlichen Zweifel und Fragen ist. Ein kleiner „Ich-weiß-alles“ Hausg*tt.

Das Dazwischen als Raum, der nicht definiert ist, der nicht definiert werden kann, außer dadurch was er nicht ist.

Das Dazwischen ist unattraktiv. Damit kann man keine Werbung machen, keine Mission treiben, keine Algorithmen in sozialen Netzwerken füttern. Wie viel schöner und griffiger sind Sätze wie: „G*tt befreit uns zur Liebe.“ „G*tt ist ein guter Hirte.“, „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn hingegeben hat, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen.“
Das Dazwischen ist unattraktiv. Doch nur im Dazwischen ist aus meiner Sicht Leben lebenswert. Alles was mein Leben ausmacht, liegt im Dazwischen.

Versuch es selbst, beschreibe die Liebe zu deiner Mutter oder deinem Vater, zu deiner Partnerin oder deinem Partner, zu deinen Kindern einmal so, dass du sie in deinen Worten gut wiederfindest.
Sage einmal ganz genau, warum du das tust, was du jeden Tag tust. Was motiviert dich jeden Morgen aufzustehen. Welches Ziel verfolgst du? Was willst du erreichen, um sagen zu können, dass du erfolgreich warst?
Beschreibe einmal das Gefühl, abends einen Sonnenuntergang zu betrachten. Vielleicht mit einem Menschen an deiner Seite. Welche Farben und Emotionen sind da?

Das Dazwischen ist unattraktiv. Doch im Dazwischen ist das Leben. Wieso sollte G*tt also nicht im Dazwischen sein, sondern etwas, das dieses Dazwischen ordnen und beenden will, durch Klarheit, Regeln und Wahrheiten?


Das Dazwischen als Raum, der nicht definiert ist, der nicht definiert werden kann, außer dadurch was er nicht ist.
Dazwischen ist nichts und doch alles.

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