sammlung

Teilhabe am "Holzweg Jesu"

Jesus auf dem Holzweg und wie wir mit dabei sind

Teilhabe am „Holzweg Jesu“

Ich habe vor einigen Jahren dieses Bild bekommen. Damals noch als einfache schwarz-weiß Kopie, dann aufwendig von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin digitalisiert und farblich aufgewertet.
Ich weiß selbst nicht wer dieses Bild gemalt hat und wie es heißt, aber bei uns im Jugendpfarramt, wo es auch in einem Rahmen an der Wand hängt, trägt dieses Bild den internen Titel „Jesu Holzweg“.
Es zeigt eindrucksvoll den Lebensweg Jesu von der Krippe bis ans Kreuz und darüber hinaus und verbindet diese Lebensgeschichte mit dem Werkstoff Holz.

Am Anfang steht die Wurzel Jesse, also Isai, dem Vater König Davids, aus der der Prophezeiung des Jesaja nach ja der Messias also Jesus entspringt.
Es geht weiter mit dem romantischen Holzstall, in dem Maria ihr Kind, Jesus, Gottes Sohn zur Welt bringt. Hier beginnt der Weg Holzweg Jesu, wie man an den Fußspuren deutlich erkennen kann und führt in die erste Station seines Lebens. Viel wissen wir nicht über diesen Lebensabschnitt Jesu, in dem er in die Fußstapfen seines Vaters Josef steigt und Holzhandwerker wird.
Die Lebensspur Jesu, die wir kennen und so auch verfolgen können startet erst wieder am hölzernen Zaun auf dem Bild. Dieser Zaun markiert die Grenze zwischen Jesu bürgerlichem Leben und seinem öffentlichen Auftreten.

Und dann geht´s los. Durch viele, ja unzählige Türen ist Jesus gegangen, Synagogentüren, Wohnhaustüren, Türen die armen, reichen, wichtigen und aussätzigen Menschen gehörten.
Auf hölzernen Schiffen hat er Menschen seine Macht bewiesen, von hölzernen Schiffen hat er seine Nachfolger gerufen und ist auch durch so manchen Sturm auf und mit diesen gefahren.
Sein Weg führt ihn an den hölzernen Tisch am Passaabend in Jerusalem und nur wenig später spürt er die hölzerne und dornige Krone auf seinem Kopf, mit der die römischen Soldaten ihn, den König der Juden, verspotten.

Sein Weg führt hinauf auf den Hügel Golgatha ans hölzerne Kreuz und zum dunkelsten Moment seines Lebens. Ein Moment des Zweifels, der Hilflosigkeit und es Todes.
Am Ende geht die Sonne wieder auf über Golgatha, der Tod hat nicht das letzte Wort über Jesus gehabt, die Hoffnung auf Gottes Liebe, die stärker ist als der Tod, leuchtet über die hölzernen Kreuze der Hinrichtungsstätte und in das Dunkel der Nacht.


Das Bild zeigt nüchtern betrachtet den zugegebenermaßen recht außergewöhnlichen Lebensweg eines Menschen vor 2000 Jahren, der uns an sich heute erst einmal recht wenig interessieren würde, wenn überhaupt. Interessante Lebensgeschichten gab es viele in den vergangenen Jahrtausenden, manche kennt man, viele nicht.

Spannend, bedeutsam und wichtig wird nun aber genau diese Lebensgeschichte, dieser Holzweg, weil wir an ihm teilhaben dürfen. Die Geschichte des Holzhandwerkers aus Nazareth, den wir als Messias und Gottes Sohn erkennen, endet eben nicht am Kreuz von Golgatha, wie so manch andere Lebensgeschichte davor und danach.
Wie die aufgehende Sonne über Golgatha verrät, geht die Geschichte weiter und schließt selbst Menschen heutzutage mit ein, ja lässt sie aktiv an dieser Geschichte teilhaben.

Dieser Weg, der uns Christenmenschen als Vorbild dient und in dessen Nachfolge uns der, der ihn gegangen ist ruft, ist der Weg des Friedens, der Versöhnung und der Liebe. Der Weg, wie auch der, der ihn gegangen ist, lassen sich immer wieder neu entdecken. Wir kennen ihn an vielen Stellen nahezu auswendig und doch lassen sich immer wieder Details und Wunder finden, die uns berühren, bewegen und unser Handeln beeinflussen.

Und dann ist da das Licht über dem Todeshügel. Die aufgehende Sonne über dem Ort des Schreckens, des Sterbens und des Leids. Es ist die unmissverständliche Botschaft, dass dieser Hügel zwar zum Leben eines Jeden Menschen gehört, er aber nicht das Ende dieses Lebens bedeuten muss, auch wenn das oft so scheint.
Denn das strahlende Licht des Ostermorgens ist kein exklusives oder einmaliges Licht, sondern scheint für jeden, der diese Hoffnung in seinem Herzen trägt. Die Botschaft des Auferstandenen ist eine Botschaft der Partizipation am Leben, auch über den menschlichen Tod hinaus.

Die Teilhabe an der Erlösung von der Nacht des Todes verbindet uns im Glauben untereinander und mit Jesus, dem Sohn Gottes. Diese Teilhabe ist zugleich Zuspruch und Anspruch, denn das Reich Gottes beginnt nicht erst mit dem Sonnenaufgang hinter Golgatha.

Im Missionsbefehl des Auferstandenen ruft er jeden, der sich auf Ihn und seinen Weg einlassen kann, in seine Nachfolge. Die frohe Botschaft vom Licht über Golgatha weiterzuerzählen und in der Nachfolge Jesu für Frieden, Hoffnung und Gerechtigkeit einzustehen ist gelebte Partizipation am Aufbau von Gottes Reich.

Jeder von uns, ja jeder Mensch kann auf so diesem Holzweg seine Spuren hinterlassen und ihn mit seinen Lebensstationen selbst prägen. Und das in der hoffnungsvollen und belebenden Gewissheit, das Teilhabe an Gottes Reich immer auch Teilhabe am Ewigen Leben heißt.

Amen

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