sammlung

Schock-Botschaften

… und warum wir sie manchmal brauchen

„Warum wollt ihr sterben?“ Diese Frage könnte ich mir gut auf einer Zigaretten-Schachtel vorstellen, ähnlich wie den bekannten Warnhinweis „Rauchen tötet“ oder die Schock-Bilder von Raucher-Lungen. Die Frage hätte eine ähnliche Wirkung: Sie würde die Raucherinnen und Raucher darauf aufmerksam machen, welche Konsequenzen ihr Konsum hat, und zugleich auf die persönliche Verantwortung für das eigene Schicksal hinweisen.

Bibel-Zitate als Schock-Botschaften auf Zigaretten-Schachteln – vielleicht ein neuer Präventionsansatz… Tatsächlich handelt es sich bei der zitierten Frage nämlich um ein Zitat aus dem Alten Testament. Dort mahnt der Prophet Hesekiel im Auftrag des Herrn:

So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel? (Hesekiel 33,11)

Die Frage ist auch bei Hesekiel als Schock-Botschaft gedacht. Sie führt den angesprochenen Israeliten vor Augen, dass sie von Gott für ihr eigenes Verhalten verantwortlich gemacht werden und dass sie nur durch Umkehr gerettet werden können.

Manchmal braucht es Schock-Botschaften, um Menschen zur Umkehr zu bewegen - dieser Gedanke scheint den Propheten auf ganz ähnliche Weise angetrieben zu haben wie die EU-Gesundheitsminister.
Allerdings ist das Schockieren heute in der Kirche nicht mehr so modern. Die wenigsten mögen noch darauf hingewiesen werden, dass sie sich dereinst vor Gott für ihre Verfehlungen verantworten müssen. Und auch der Gedanke, dass es sich zum Beispiel bei Krankheiten oder anderen Schicksalsschlägen um eine Strafe Gottes handelt, ist uns eher fremd.

Aber trotzdem ist die Frage Hesekiels auch für uns heute gar nicht so irrelevant. Sie führt uns vor Augen, dass es Verhaltensweisen oder Einstellungen gibt, die vielleicht gesetzeskonform sind und für die wir keine juristische Strafe befürchten müssen, die aber trotzdem negative Konsequenzen für uns haben – weil sie uns abbringen vom richtigen Weg, weil sie uns entfernen von Gott und weil sie ähnlich wie der Rauch einer Zigarette Stück für Stück nicht unseren Körper, aber unsere Seele vergiften. Anderen Menschen den Erfolg nicht gönnen, ihnen Schlechtes wünschen, immer zuerst für das eigene Wohlergehen sorgen, undankbar sein, sich selbst über andere stellen, sie herablassend behandeln, Hochmut, Überheblichkeit, Eitelkeit – all dies können Dinge sein, die wie Nikotin auf unsere Seele wirken und Auswirkungen auf unser Verhältnis zu Gott haben. Wir werden durch diese Verhaltensweisen nicht direkt sterben, manches wird uns vielleicht sogar vorübergehend Erfolg bescheren, aber sie werden uns doch auf lange Sicht schaden, weil sie uns von dem Weg entfernen, den Gott für uns vorgesehen hat, dem Weg zum Leben.

Doch die Worte Hesekiels zeigen uns auch noch etwas anderes: Gott will nicht, dass wir so enden. Ihm ist es viel lieber, wenn wir zu ihm zurückkehren. Er will uns retten und er tut alles, um uns entgegenzukommen. Nur das Umkehren müssen wir selber machen. Und dabei können uns Schock-Botschaften wie die von Hesekiel helfen, weil sie uns anschubsen und uns darauf stoßen, wo wir selbst auf Abwegen sind.

Guter Vater, es ist gar nicht so leicht, die eigenen Abwege zu erkennen. Danke, dass du auf mich wartest.
Amen.
Bibelstellen zur Andacht:
Ezechiel/Hesekiel 33,11 - 11

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