Meine Andachten

"Reg dich nicht auf über die Verbrecher!"

Von Vertrauen und Gelassenheit

Der Urlaub ist zu Ende. Nach einer langen Fahrt wieder zu Hause angekommen. Müde und erschöpft, aber voller schöner Bilder: Gemeinsame Winterspaziergänge und Schneeballschlachten. Die Abende mit Raclette und endlosen Gesprächen. Die Schlittenfahrten und der anschließende Almdudler - das ist eine Kräuterlimonade. Ich schließe die Haustür auf. Endlich daheim in den vertrauten vier Wänden.
Doch irgendetwas stimmt nicht: Die Türen der Schränke im Flur stehen offen. Jemand war in unserer Abwesenheit in der Wohnung. Ich schließe die Tür, informiere meine Frau und die Kinder und rufe mit zitternden Händen die Polizei an. Wer wie ich einen Einbruch erlebt hat, der oder die weiß, dass das Schlimmste meist nicht der Sachschaden ist, sondern der Übergriff in die Privatsphäre. Dieser Einbruch hat mich noch Monate zu einem vorsichtigeren Menschen werden lassen. Mein Grundvertrauen war erschüttert.

Für Jesus ist Vertrauen DAS zentrale Thema. Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt er seinen Jüngern in seiner Abschiedsrede am Vorabend seiner Kreuzigung (Joh 14, 1).
Solcher Glaube hat nichts mit Fürwahrhalten oder Lehrmeinungen zu tun, sondern ist eine Grundhaltung.
Auf mein Gegenüber ist Verlass! Jesus nimmt dabei eine Glaubensvorstellung auf, die tief in der Geschichte Gottes mit seinen Menschen verankert ist, und Gott als verlässliches Gegenüber sieht.
In Psalm 37, einem Davidspsalm, heißt es in der Übersetzung der Basisbibel:
"Reg dich nicht auf über die Verbrecher!
Entrüste dich nicht über die Übeltäter!
2 Denn wie das Gras verdorren sie bald
und verwelken wie das grüne Kraut.
3 Vertrau auf den Herrn und tue Gutes!
Wohne im Land und bleib ihm treu.
5 Lass den Herrn deinen Weg bestimmen!
Vertrau auf ihn! Er wird es schon machen.
6 Er bringt deine Gerechtigkeit zum Leuchten
und deine Rechtschaffenheit zum Strahlen
wie die helle Mittagssonne.

Ich stolpere etwas über solchen Optimismus. Ruft dieser Psalm etwa zum Schicksalsglauben auf?
"Vertrau auf ihn! Er wird es schon machen."
Wenn man an solch eine Vorherbestimmung glaubt, warum sollte man sich dann noch in irgendeiner Weise im Leben anstrengen?
Aber wenn ich an David denke, auf den dieser Psalm bezogen ist, dann weiß ich,
dass dieser nicht untätig herumsaß, sondern einer der engagiertesten Könige Israels war.
Vielleicht an manchen Stellen sogar zu getrieben von eigenen oder anderen Vorstellungen: Kriege, Komplizierte Beziehungsgeschichten, die unrühmliche Volkszählung und damit verbunden die Anstrengung, alles kontrollieren zu wollen.

Das Leben Davids vor Augen ist dieser Psalm eher wie ein Ruf zur Ruhe.
Bleib mal ruhig David. Reg Dich nicht so auf. Schalt mal drei Gänge zurück.
Das was keinen Bestand hat, wird vergehen.
Vertraue Du auf Deine Wege mit dem Herrn und tue Gutes in Deinem Lebensumfeld.
Richte Deinen Blick auf Deine Rechtschaffenheit.

Solches Vertrauen fällt vielleicht schwer.
Es richtet den Blick jedoch auf das, was an erster Stelle steht:
Meine Freude an dem Geschenk des Lebens und mein Eingebundensein in Gottes Welt.
Das, was mir gegen den Strich geht, was mich belastet, rede ich nicht schön. Es verblass jedoch gegenüber allen anderen und blockiert nicht mein Handeln, weil ich mich zu viel mit dem Beschäftigte, was es nicht wert ist.

Das Verbrechen des Einbruchs ist nicht vergessen, aber ich habe mein Vertrauen zurück gewonnen.
Ich weiß, dass nicht die materiellen Ding wesentlich sind, sondern mir von Gott Kostbarkeiten im Leben geschenkt sind, die mir keiner nehmen kann und die ich dankbar annehme.
Um mit Worten des Gelassenheitsgebets des US-Amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr auszudrücken:
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Amen

Landesjugendpfarrer Christian Uhlstein, 01. September 2021
Bibelstellen zur Andacht:
Joh 14,1 - 1Psalter 37,1 - 5

0 Kommentare