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Möge dein Tag voller plus-Aura-Momente sein!

Eine Andacht zum Jugendwort des Jahres 2024

Das Jugendwort des Jahres 2024 lautet Aura – gewählt durch eine Online-Abstimmung von Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 20 Jahren. Ein Wort, das auf den ersten Blick modern und jugendlich klingt, aber gleichzeitig tiefere Bedeutungen in sich trägt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch beschreibt „Aura“ die Ausstrahlung eines Menschen oder Ortes. Manchmal wird sie als eine mystische oder faszinierende Kraft wahrgenommen, die uns beeindruckt und berührt. Manche glauben sogar, Auren in leuchtenden Farben sehen zu können. Bei Migräne spricht man von einer „Aura“, wenn Betroffene Lichterscheinungen oder flimmernde Punkte vor ihren Augen wahrnehmen – eine ganz reale Form dieses Phänomens.

Wie wurde „Aura“ zum Jugendwort? Die Wahl wurde durch die humorvolle Nutzung des Begriffs in sozialen Medien und im Alltag geprägt. Beispiele gefällig? „Ich dachte, ich bin auf der tiefsten Stufe angekommen, doch dann bin ich gestolpert – minus 50 Aura!“ Oder: „Keiner hat über meinen Witz gelacht, minus 50 Aura!“ Gleichzeitig können wir positive Momente feiern: „Danke für deine Hilfe – plus 1000 Aura für dich!“ Vielleicht fällt dir ja auch ein kreatives Beispiel ein?

Interessant ist die Herkunft des Wortes: Ein Bericht der New York Times aus dem Jahr 2020 verglich die Aura eines Fußballspielers mit dem Werbeslogan: „Solutions Are Expensive. An Aura Is Priceless.“ Mit anderen Worten: Während Lösungen teuer sein mögen, bleibt eine beeindruckende Ausstrahlung unbezahlbar.

Eine göttliche Begegnung mit Aura
Schon immer haben Menschen außergewöhnliche Momente erlebt, in denen die „Aura“ einer Person alles um sie herum verändert hat. Eines solcher Erlebnisse erfahren drei Jünger – Petrus, Jakobus und Johannes – bei einer besonderen Begegnung mit Jesus auf einem hohen Berg. Dort wurde Jesus vor ihnen „verklärt“: Sein Gesicht strahlte wie die Sonne, seine Kleider wurden leuchtend weiß. (Matthäus 17, 1ff.)
Dieser Moment erinnert an Mose auf dem Berg Sinai, dessen Gesicht nach seiner Begegnung mit Gott in hellem Glanz strahlte. Doch das Erlebnis der Jünger war noch intensiver: Nicht nur Mose erschien ihnen, sondern auch der Prophet Elia – eine weitere große Persönlichkeiten des Alten Testaments, die berühmt für ihre Nähe zu Gott ist. Und inmitten dieser Szene überschattete eine leuchtende Wolke sie, und eine göttliche Stimme sprach: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ Ein Moment voller Mystik und göttlicher Aura.
Die Reaktion der Jünger? Sie waren überwältigt, warfen sich nieder und fürchteten sich. Doch Jesus berührte sie sanft und sagte: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“ Als sie aufblickten, sahen sie nur noch ihn – denjenigen, der ihre Leben erleuchtete. Wenn das kein Aura plus 10.000 ist, was dann?

Petrus und seine eigene Aura-Bilanz
Dieses Erlebnis auf dem Berg Tabor war für Petrus unvergesslich. Doch in seinem Leben gab es auch viele „minus-Aura-Momente“.
• Als Jesus ihn aufforderte, die Netze auf der anderen Seite des Bootes auszuwerfen, war Petrus skeptisch – bis die Netze plötzlich überquollen. Wahrscheinlich war er zunächst verwirrt: Aura minus 100. Doch der Fischfang ließ seine Zweifel verfliegen.
• In einem impulsiven Moment schlug er Malchus, einem Diener des Hohepriesters, ein Ohr ab – ein typischer Gefühlsausbruch. Aura minus 500.
• Und schließlich verleugnete er Jesus im Hof des Hohenpriesters dreimal – ein Tiefpunkt seines Lebens: Aura minus 1000.
Doch das Ermutigende ist: Für Petrus kam es am Ende nicht auf seine eigene Aura-Bilanz an. In der Gemeinschaft mit Jesus wurde seine negative Bilanz ausgeglichen – ja, überstrahlt. Jesus, das Licht der Welt, warf einen Glanz auf Petrus’ Leben, der ihn veränderte und ihm Mut und Hoffnung gab.

Was zählt wirklich?
Im zweiten Petrusbrief erinnert sich Petrus an das Erlebnis auf dem Berg, der Überlieferung nach der Tabor im Norden Israels, und sagt: „Wir haben euch nicht geschickte Märchen erzählt… Vielmehr haben wir ihn mit eigenen Augen gesehen: Jesus Christus, unseren Herrn, in seiner Herrlichkeit!“ Dieser Moment ließ ihn erkennen, dass nicht unsere Schwächen oder Fehltritte im Mittelpunkt stehen, sondern das Licht, das Gott auf unser Leben wirft.

Ob im scherzhaften, alltäglichen oder spirituellen Sinne: Eine positive Aura ist etwas, das wir erleben und weitergeben können. Wir dürfen uns vom göttlichen Licht durchdringen lassen, das uns strahlen und unsere Mitmenschen berühren lässt. Und selbst wenn wir uns mal „minus 100 Aura“ fühlen, ist Gottes Licht immer da, um unsere Schattenseiten zu erleuchten.

In diesem Sinne: Möge dein Tag voller plus-Aura-Momente sein!

Christian Uhlstein, Landesjugendpfarrer der Ev. Kirche von Westfalen

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