Menschsein heißt unterwegs sein
Unterwegs - Sein im Advent
Menschsein heißt unterwegs sein.
Raum und Zeit durchschreiten.
Zwischen meinem 18. und 36. Lebensjahr bin ich sieben Mal umgezogen. Die Umzüge selber waren stets anstrengend und die Renovierung erst recht. Ich bereue dennoch keinen einzigen Ortswechsel.
Unterwegs sein bedeutet nämlich auch unterwegs zu Sein:
Auf dem Lebensweg Menschen kennen zu lernen.
Mit Ihnen mein Leben zu teilen. Zu feiern. Auch zu trauen.
Zu lachen und zu weinen. Ihnen zu Begegnen und damit … mir selbst.
Auch die Menschen in der biblischen Weihnachtsgeschichte sind unterwegs. Maria, hochschwanger, und Joseph – hochbetagt-
auf der mehrtägigen Reise von Nazareth nach Bethlehem.
Die Magier aus dem Osten … dem Stern hinterher.
Wen sie unterwegs getroffen haben?
Volle Häuser bei der Suche nach einer Herberge.
Einen argwöhnischen Herodes bei ihren Erkundigungen auf dem Weg.
Auch diese Erlebnisse gehören zum Reisen. Sie lassen das Glück des Ankommens in einem noch strahlenderen Blick erscheinen.
Wenn an den langen dunklen Abenden im Advent die Lichter und Kerzen brennen, dann ist das nicht nur ein Vorgeplänkel, sondern Teil der gesamten Reise.
Advent ohne Weihnachten – da würde was fehlen.
Aber auch Weihnachten ohne die Zeit des Advents wäre fade.
Gerade durch die vierwöchige Anreise,
wächst die Bereitschaft, die Weihnachtsbotschaft aufzunehmen.
Manches braucht auf dem Weg Zeit.
Auch für Jesus ist es ein langer Weg bis zum Stall in Bethlehem gewesen. 700 Jahre vor Jesu Geburt kündigt Jesaja an: „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.“ (Jesaja 7, 14). Es ist ein langer Weg von der Verheißung bis zur Erfüllung.
So wird die Geburt Jesu für alle Beteiligten – auch Hirten und Engel werden sich noch hinzugesellen - zur gemeinsamen Zwischenstation auf dem Weg des Lebens. Einer dieser wirklichen, existentiellen Lebensmomente die den Sinn und die Schönheit des Lebens aufleuchten lassen.
Wenn ein neues SEIN mit der Geburt des Kindes entsteht,
können alle ihren Alltag und ihr übriges Leben sein lassen,
um ganz in seiner Gegenwart einfach nur Da zu sein.
Um dann … wieder loszuziehen.
Die Hirten, die die kürzeste Anreise gehabt haben.
Manches Gute liegt so nah.
Die Magier in ihre ferne Heimat.
Diesen Moment der Nähe über die Religionsgrenzen hinaus in sich tragend.
Maria und Joseph mit dem Kind auf der Flucht vor den Häschern des kindermordenen Herodes nach Ägypten.
So wie Millionen Menschen in diesen Tagen vor Bomben und im Krieg.
Angesichts Hunger und Verfolgung.
Menschsein heißt unterwegs sein.
Heute wie damals und auch morgen.
Christian Uhlstein, Landesjugendpfarrer der EKvW