sammlung

Liebende Kritik

Eine schwierige Situation

Im Supermarkt machen sich drei Jungs einen Spaß daraus, sich Lebensmittel zuzuwerfen. Erst ein Halbliterpack Saft, dann eine Tüte Flips. Die anderen Kunden beobachten das mit Missfallen, sie machen zitronige Gesichter, aber keiner sagt was. Und dann, *plumps*, fällt eine Packung Brot auf den Boden und einer der Jungs kickt das Brotpäckchen galant unter das Regal. Die anderen lachen.

Mir platzt der Kragen. „Ey, sagt mal, spinnst du?“, brülle ich ihn an, „Das sind Lebensmittel. Wer will das denn jetzt noch essen?“. Das wirkt! Peinlich berührt ziehen die Jungs von dannen und ich spüre, dass mein Puls auf 180 ist. Ich schwitze sogar. Warum eigentlich? Hab ich was falsch gemacht? War ich zu unfreundlich? Die anderen Kunden tun so, als ob nix gewesen wäre.

In der Bibel steht, dass wir unseren Nächsten lieben sollen wie uns selbst. In derselben Bibel steht auch, dass wir unseren Bruder zurechtweisen sollen, wenn er Mist macht. Ich finde, das kann man auch auf den Mitmenschen an sich übertragen. Ohne sich gleich als Moralapostel oder Spielverderber aufzuspielen.

Offensichtlich ist das liebende Zurechtweisen genauso schwer, wie das lieben selbst. Und genauso geboten!

Christiane Birgden

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