Herr, lass Geist vom Himmel regnen!
Gott begeistert
Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. (Joel 3,1)
Beim Lesen dieser Worte kommt mir der Spruch „Herr, lass Hirn vom Himmel regnen“ in den Sinn. Manch einer benutzt diesen sarkastischen Ausruf umgangssprachlich, um seine Verzweiflung über die Dummheit seiner Mitmenschen zum Ausdruck zu bringen. Manchmal kommt noch die Bemerkung hinzu, jemand Bestimmtes habe bei der Ausschüttung der Intelligenz wohl nicht laut genug „Hier“ geschrien.
Und ich frage mich: Wie äußert sich das wohl, wenn Gott nicht Hirn, sondern seinen Geist vom Himmel regnen lässt? Wie bemerke ich es, wenn er seinen Geist über mir ausschüttet? Muss ich mich darum bemühen, etwas abzubekommen, kann ich seine Annäherung verpassen?
Der Prophet Joel hat sehr konkrete Vorstellungen, wie es aussieht, wenn der Geist Gottes über einen Menschen kommt. Da ist von Weissagungen die Rede, zu denen Menschen fähig werden, von besonderen Träumen und „Gesichten“.
Doch geht es nicht auch mit etwas weniger großem Besteck? Muss es gleich Zungenreden und Prophetie sein? Erlebe ich Gottes Geist nicht auch anders, alltäglicher?
Ich glaube, Gottes Geist ist dann zu spüren, wenn ich Begeisterung empfinde. Denn nichts anderes drückt dieses schöne Wort ja aus: Be-geisterung leitet sich etymologisch her von einer Vorstellung der Erfüllung mit Gottes Geist und dadurch verursachter Entzückung, wird aber heute allgemeiner verwendet für einen Zustand besonderer Freude und leidenschaftlicher Erregung über etwas.
Das bringt mich dazu, einmal genauer hinzuschauen: Wo empfinde ich eigentlich Begeisterung in meinem Leben? Vielleicht im Fußball-Stadion? Oder bei einem Konzert? Im Restaurant? Auf einer Party mit Freunden? In meinem Beruf? Über meine Kinder? Ein gutes Buch? Die Blumen in meinem Garten?
Und auf einmal entdecke ich, wie sehr Gott mein Leben erfüllt, beseelt, belebt. Gott begeistert, er schenkt Begeisterung, mir, dir, jeder und jedem von uns, ganz oft und ganz alltäglich, für seine Sache, denn seine Sache ist das Leben in all seinen Facetten.
Um Gottes Geist, sein Nahe-Sein zu erfahren, muss ich nicht in die Kirche oder in den Gottesdienst gehen (ich kann es natürlich, denn auch dort kann mir Gott begegnen), aber es gibt noch unzählige andere Orte und Zeiten, an denen ich für Gottes Sache begeistert werden kann.
Wann und wo er sich mir nähert, entscheidet Gott letztendlich selbst. Das sind dann die (zugegeben etwas weniger alltäglichen) Momente, in denen ich seine Nähe besonders intensiv spüre und beginne, mich für Gott selbst zu begeistern (das nennt man dann wohl Glauben), Momente in denen ich bemerke, wie der Funke überspringt, meine Seele berührt und in Schwingung versetzt. In solchen Momenten erlebe ich, wie Gottes Nahe-Sein mich verändert, mir Kraft verleiht, mich beflügelt. Und solche Momente ermutigen mich auch, diese Erfahrung der Nähe mit anderen zu teilen, die Begeisterung weiterzugeben. Ein solcher Moment kann im Fußballstadion passieren, warum nicht? Er kann aber auch einfach bei einem Spaziergang passieren oder zu Hause.
Wenn Gott seinen Geist regnen lässt, erreicht er mich immer und überall, sogar unter einem Regenschirm.
Guter Vater, danke, dass Du mich immer wieder für Dich begeisterst.
Amen.