sammlung

Gospel - Gott befreit

„Take the shackles off my feet so I can dance“ (MaryMary)

Unsre Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netze des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei. (Psalm 124,7)

Gott befreit. Das ist die Botschaft dieses Verses.

Ich muss bei diesen Worten an Gospel denken. Gospel lebt von genau diesem Gefühl. Entstanden aus den Spirituals afro-amerikanischer Sklaven als Lieder der Hoffnung in Zeiten von Unterdrückung und Erniedrigung, sind Gospel-Songs durchzogen von Bildern der Befreiung. Bei Gott ist die Seele frei, auch wenn man in Knechtschaft lebt, Gott nimmt die Fesseln ab, Gott befreit.

In einem modernen Gospel-Song des Duos MaryMary aus dem Jahr 2000 heißt es: „Take the shackles off my feet so I can dance, I just want to praise you, I just want to praise you. You broke the chains, now I can lift my hands, and I’m gonna praise you, I’m gonna praise you“. Das Genre, zu dem dieser Song gehört, bezeichnet man als „Urban Gospel“. Aber ist die Gedankenwelt von Gospelsongs überhaupt in unserem Leben hier und heute noch aktuell, können wir da überhaupt noch anknüpfen? Wir sind doch frei, uns bedrücken keine Fesseln, wir können gehen, wohin wir wollen, tun und lassen, was uns gefällt, wir sind keinem Herrn auf Gedeih und Verderb untergeben. Oder?!

Wenn es nicht Knechtschaft im Sinne von Sklaverei ist, die uns fesselt und bedrängt, was macht uns dann so unfrei und so empfänglich für Lieder, die von Hoffnung und Befreiung singen? Ich denke, die Seelenfänger der Moderne sehen anders aus als die weißen amerikanischen Großgrundbesitzer, aber ihre Fesseln schnüren uns mindestens genauso ein. In unserem Leben sind wir permanent umgeben von Dingen und Menschen, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, uns ganz für sich vereinnahmen wollen. So vieles scheint so wichtig, so viele Anliegen, Termine, Ansprüche so dringend, dass sie uns immer mehr einschnüren in ein Geflecht von Abhängigkeiten, Bedürfnissen, Sorgen und Verpflichtungen. Blinkend signalisieren die Werbeanzeigen, was wir brauchen, in fetten Lettern bombardieren uns die Medien mit Informationen, lauthals beschallen uns die Machtgierigen mit Meinungen. Wichtigkeiten plustern sich auf in unserem Leben und ziehen die Fesseln immer enger.

Wie gut, wenn uns da jemand an die Freiheit erinnert, die Gott uns schenkt. Gott nimmt uns all die Fesseln der vermeintlichen Wichtigkeiten ab, denn er sagt: Ich bin der Herr, dein Gott. Gott allein ist Herr, nur das ist wirklich wichtig. Und Gott ist der einzige Herr, dem ich mich voll und ganz untergeben und trotzdem frei sein kann. Denn Gott schenkt mir die Freiheit. Er nimmt mich an in Liebe und will, dass ich mich entfalte. Gott unterdrückt mich nicht, sondern er gibt mir Raum, er hält mich nicht klein, sondern macht mich stark, Gott ist mein Herr und zugleich mein Befreier. Wir brauchen genau diese Botschaft, vielleicht hier und heute mehr denn je.

Gospel-Songs erinnern mich besonders intensiv an dieses Versprechen Gottes und sie bringen seine Botschaft direkt in mein Herz. Wer schon einmal auf einem Gospel-Konzert war, weiß, wie man sich danach fühlt: frei wie ein Vogel, Sorgen sind wie weggeblasen, man könnte Bäume ausreißen und vor Glück noch auf der Straße weitertanzen. Gospel entfesselt im doppelten Wortsinn. Er schenkt mir Momente, in denen ich mit allen Sinnen die Kraft von Gottes Botschaft erfahre.

Gott befreit. Von allen Lasten, Sorgen und Nöten dieser Welt. Er zeigt mir, was wirklich wichtig ist. Und das gibt mir unendlich viel Kraft. Denn die Freiheit, die Gott mir schenkt, kann ich niemals, durch nichts und niemanden verlieren. Keine Schreckensnachricht dieser Welt, kein Diktator irgendeines Landes, kein Arbeitgeber, keine Krankheit, nicht einmal der Tod kann mir diese Freiheit nehmen. Ich kann alles verlieren, aber ich verliere niemals Gottes Liebe, ich bleibe immer sein Kind.

Guter Vater, danke, dass du mich entfesselst.
Amen.


Bibelstellen zur Andacht:
Psalter 124,7 - 7

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