"GOD-Caching"
Suchet, so werdet ihr finden
Geocaching ist eine weltweit verbreitete Freizeitbeschäftigung mit vielen begeisterten Anhänger*innen jeden Alters. Für diejenigen, die es nicht kennen: Es handelt sich um eine Art Schatzsuche, bei der man die Verstecke anhand von GPS-Koordinaten aufspürt. An den ausgewiesenen Orten ist ein sogenannter Cache hinterlegt. Das ist eine Kiste oder Dose, in der sich ein Logbuch sowie manchmal auch Gegenstände zum Mitnehmen befinden. Wer einen Cache gefunden hat, kann sich in das Logbuch eintragen. Wichtig ist jedoch, den genauen Fundort nicht zu verraten und an Ort und Stelle alles so zu hinterlassen, wie man es vorgefunden hat, ohne allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen.
Dieses Spiel kam mir in den Sinn, als ich mich mit einem bekannten Abschnitt aus der Bergpredigt beschäftigte. Es geht darin um das Beten, und Jesus sagt dazu:
Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. (Mt 7,7-8)
Beten und Geocaching - was haben diese beiden Tätigkeiten gemeinsam?
Zunächst einmal ist es das Suchen. Beim Geocaching liegt die Bedeutung des Suchens auf der Hand, doch Jesus beschreibt das Beten ebenfalls als eine Suche. Wenn wir beten, suchen wir: Gottes Nähe, ein offenes Ohr für unsere Sorgen, Hilfe in der Not, einen Adressaten für unseren Dank. Doch nicht nur das Suchen ist wichtig, sondern insbesondere auch das Finden. Leute, die Geocaching betreiben, haben zwar Spaß am Rätseln und Kombinieren, aber letztendlich geht es doch um das Finden. Wenn ein Cache einfach nicht auffindbar ist, führt das zu Frustration bei den Suchenden und das ganze Spiel erscheint sinnlos. Der Cache möchte gefunden werden – und ebenso ist es auch mit Gott. Zwar kommt es einem manchmal so vor, als würde Gott sich bis zur Unauffindbarkeit verstecken, doch eigentlich geht es nicht darum. Eigentlich will sich Gott von uns finden lassen, wenn wir ihn suchen. Dass wir das auch erwarten dürfen, daran erinnert Jesus in der Bergpredigt. Wir dürfen zuversichtlich sein, dass unsere Gebete erhört und beantwortet werden. Nur mit dieser Zuversicht macht das Beten überhaupt Sinn, ähnlich wie das Geocaching nur Freude macht, wenn man davon ausgehen kann, dass es an dem markierten Ort auch einen Cache zu finden gibt.
Geocacher*innen geben sich gegenseitig Hinweise, wie sie einen Cache finden können. Das beginnt bei den Koordinaten und setzt sich fort in Kommentaren zur Schwierigkeit des Verstecks im Internet. Wo genau der Cache liegt, bleibt aber geheim, damit jede Person ihr ganz persönliches Finde-Erlebnis haben kann. Hier sehe ich noch eine Verbindung zum Beten. Auch in der Gemeinschaft der Betenden kann man sich gegenseitig Hilfen geben, zum Beispiel, indem man sich „Orte“ nennt, an denen man Gott finden könnte. „Koordinaten“ für solche „Orte“ könnten folgendermaßen aussehen: Mt 6, 9-13 – das ist die Bibelstelle, an der man das Vaterunser findet, also DAS Gebet schlechthin. Ein anderer „Ort“ kann auch eine bestimmte Gemeinde sein, eine Kirche oder ein konkreter Platz in der Natur, an dem Menschen meinen, Gott besonders nahe zu kommen. Letztendlich ist das Finden aber auch beim Beten eine sehr individuelle Sache. Es kann sein, dass jemand das Vaterunser betet und nicht wirklich viel dabei fühlt (manchmal hängt das auch einfach von der „Tagesform“ ab), oder dass eine Person auf einem Berggipfel eine besondere Nähe zu Gott erlebt hat, für eine andere dort aber der „Funke“ gar nicht überspringt.
Auch was genau wir beim Beten finden, ist so unterschiedlich wie wir Menschen und die Situationen, in denen wir leben. Mancher findet im Vaterunser Halt, wenn er in einer Notsituation ist, jemand anderes betet es in einem glücklichen Moment, um der eigenen Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen. Manchmal ist der „Cache“, den wir beim Beten finden, winzig klein, ein Döschen von der Größe einer Münze, in dem sich vielleicht nur ein einziges Wort befindet, das uns aber tief im Herzen berührt. Manchmal ist unser „Cache“ auch eine große Kiste, die sich als Wundertüte entpuppt, weil so viel Überraschendes drin ist, mit dem wir überhaupt nicht gerechnet haben.
Ein Letztes noch: Menschen, die regelmäßig beten, erscheinen Außenstehenden teilweise ähnlich „speziell“ oder „freakig“ wie professionelle Geocacher den sogenannten „Muggeln“. Doch wenn man sich einmal genauer umschaut, stellt man fest, dass das Beten gar nicht so eine Nerd-Beschäftigung ist, wie man manchmal denkt, sondern dass es erstens sehr viele Menschen tun, ohne besonders viel darüber zu reden, und es zweitens auch wirklich bereichernd und hilfreich ist.
Ganz gleich, ob du nun ein Neuling oder ein eingefleischter „God-Cacher“ bist – mach dich auf die Suche, es lohnt sich!
Amen.