Glaube versetzt Berge?
Wie der Glaube wahrhaftig Berge versetzen kann
Wie der Glaube wahrhaftig Berge versetzen kann
"Glaube versetzt Berge" heißt es. Ach, wenn das doch wirklich wahr sein würde. Dann wäre vielleicht manches in unserem Leben leichter oder gar erst möglich. Unvorstellbar scheint es zu sein, aber nicht unmöglich! Es gibt sie nämlich tatsächlich, die Bergeversetzer. Und das nicht nur symbolisch gesprochen.
Eine kleine Zeitreise: Vor über 2000 Jahren entschied der judäische König Herodes, genannt der Große, eine Festung auf einem Hügel in der Nähe von Bethlehem zu errichten. Der Hügel war ihm jedoch zu klein, deshalb befahl Herodes, einen Teil des benachbarten Hügels abzutragen und auf den ersten aufzuschütten. Mit der Zeit entstand der neue Berg, die Festung und der mächtige Palast, sodass man ihn sogar aus dem 10 km entfernten Jerusalem sehen konnte. Diese grandiose Bauleistung symbolisierte seinen Machtanspruch und seinen Wunsch, bleibende Spuren zu hinterlassen. Es ist ihm gelungen: Noch heute spricht man über diesen Ort, der zugleich die Grabesstätte des Baumeisters werden sollte. Der Gebäudekomplex ist bis heute nach ihm benannt: Das Herodium.
Jesus wirkte kurze Zeit nach Herodes Tod. Alle Menschen in ganz Jerusalem und Umgebung kannten den neuen Berg, der entstanden war. Einmal sandte Jesus seine Jünger, um seine Lehren zu verkündigen und für Menschen in seinem Namen für ihre Anliegen zu beten. Doch anders als bei Jesus konnten die Jünger nicht jedem helfen. Jesus erklärte ihnen auf die Frage, warum das so sei, daraufhin: „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berge sagen: Hebe dich dorthin! und er wird sich heben; und nichts wird euch unmöglich sein." (Matthäus 17, 20)
Den Jüngern fehlte es offensichtlich an festem Glauben. Dabei ist festes Vertrauen in die Möglichkeit die Grundlage für vielerlei Wirkung.
Auch wenn es anmaßend scheint: Wir Menschen sind manchmal dazu berufen, Berge zu versetzen. Nicht immer und zu jeder Zeit. Jedoch genau dann, wenn es um das Wohl anderer geht und die Zeit reif ist.
Immer wieder beeindrucken Menschen durch solch einen Glauben. Auch heute noch. Der deutsche Naturschützer Otto Leege war ein weiterer Bergeversetzer in jüngerer Zeit. Als Lehrer und Orgelspieler seiner Kirchengemeinde arbeitete er auf der Nordseeinsel Juist. 22jährig betrat er zum ersten Mal die unbewohnte Nachbarinsel Memmert, die ihn bis zu seinem Tod beschäftigen sollte. Dabei stellte er fest, dass die Vögel während der Brutzeit durch Jäger und durch Eiersammler rücksichtslos dezimiert wurden. 1906 konnte Otto Leege nach einer Jagd keinen unverletzten Vogel mehr auf Memmert finden. Viele Kadaver von Altvögeln und verhungerten Jungvögeln lagen zwischen Patronenhülsen. Angeschossene Vögel liefen in den Dünen herum. Otto Leege setzte sich daraufhin intensiv für den Schutz der Vogelwelt während der Brutzeit ein.
Er erreichte bereits im selbem Jahr, dass die Seevögel auf Memmert vor Verfolgung geschützt wurden. Mit unerschütterlichem Glauben und harter Arbeit gelang es ihm, die Sandbank in eine blühende Insel zu verwandeln. Durch seine Bemühungen schuf er einen Lebensraum für viele Vogelarten und schuf ein ökologisches Paradies, das heute als Naturschutzgebiet und Rückzugsort für bedrohte Vogelschutzarten erhalten ist. Er steht damit am Anfang einer Entwicklung die 1986 zur Gründung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer führte.
„Glaube versetzt Berge“ – Unmöglich? Nicht für diejenigen, die an die Erreichbarkeit von Zielen glauben. Für diejenigen, die an einen offenen Himmel glauben. Die eine Sehnsucht und Ahnung von Gottes weiter Welt haben. Denn nichts ist so mächtig wie eine Vision, dessen Zeit reif ist. Bei den Menschen ist’s unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich.
Paulus erinnert in einem seiner Schreiben an die Wichtigkeit der inneren Einstellung: „Wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste, alle Erkenntnisse hätte und allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts."
Mit diesem kleinen Vorbehalt für das Gute, Nützliche und Schöne ist die Kraft des Glaubens eine Kraft der Veränderung und im wahrsten Sinne des Wortes „weltbewegend“.
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Gebet
Gott, wir kommen heute zu Dir mit einem offenen Herzen und einem offenen Geist. Wir bitten Dich, unsere Augen zu öffnen für die Wunder des Glaubens. Gib uns die Kraft und den Mut, unseren Glauben zu leben und darauf zu vertrauen, dass guter Glaube Berge versetzen kann. Amen.
Christian Uhlstein, Landesjugendpfarrer der Ev. Kirche von Westfalen