sammlung

Generation Grenzenlos

Andacht zur Generation Z

„Generation Grenzenlos”, so nennen sie uns. Wir haben all das, was sie niemals hatten, wovon sie noch
nicht einmal hätten träumen können.
Doch sie sehen nicht das, was wir nicht haben. Wissen nicht, wie schwer der Ballast ist, alles zu haben
und gesagt zu bekommen, alles sein zu können.
Sie hatten vielleicht wenig, dafür war es real und es war vollkommen.
Unser Leben zerteilt sich in die reale und die virtuelle Welt. Und dazwischen ein Abgrund, so tief und
ohne Boden, gefüllt mit Möglichkeiten, aber keine wirklich greifbar.
Sie sagen wir sollen fliegen und der Fortschritt solle uns Meilen weit tragen. Doch wir werden immer
früher aus den Nestern geworfen und das ohne jegliche Anleitung – weder zu fliegen noch zu leben.
In unseren Hosentaschen unsere neuen Erziehungsberechtigten, die uns die Welt erklären.
Wissen nicht nur warum das Nachbarskind weint, nein, wir wissen auch wieso Kinder in Schulen auf der
anderen Seite der Welt ängstlich in Klassenzimmern sitzen und sich verstecken vor den Schützen. Wir
sehen, wie sich an Grenzübergängen Familien trennen und wir lernten viel zu früh, wie man sich selbst
und seinen Körper betäubt, sodass man sich trotz all dieser Tragödien noch irgendwie freut.
Lied – 7 Years von Lukas Graham
Diesen Poetry habe ich vor einiger Zeit auf Social Media entdeckt und war erschrocken, wie sehr das
eigentlich zutrifft. Natürlich wusste ich all das irgendwo, aber das so gebündelt und auf den Punkt
gebracht zu hören zu bekommen hat mir doch einen kleinen Stich versetzt.
Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen mag ich diesen Poetry so gerne.
Wie fühlt es sich an alles zu haben und gesagt zu bekommen, alles sein zu können, den Fortschritt der
Menschheit in den Händen zu tragen, mit den Erwartungen etwas daraus zu machen, immer neue Dinge
zu erfinden und alles weiter zu entwickeln? Es fühlt sich schrecklich an. Natürlich hat niemand genau
diese Erwartungen an mich alleine, auch nicht an euch, aber an unsere Generation.
Und viele sehen nicht, wie sehr wir unter diesem Druck leiden. ,,Generation Grenzenlos” sagen die
Leute, doch merken nicht, dass genau das die Grenzen sind, dass das die Probleme sind.
Wir haben tausende Möglichkeiten, doch mehr Entscheidungsmöglichkeiten führen zu mehr
Entscheidungszwang. Mehr Möglichkeiten, von denen immer mehr “falsch” sein können und zwischen
denen wir immer früher entscheiden müssen.
“Wenn alle Türen offen stehen, fühlt sich das manchmal an wie das schlimmste Gefängnis. Es ist
paralysierend, einschüchternd und überwältigend.”
Wir haben alle Möglichkeiten, aber entscheiden uns nicht, da uns die Meinung anderer wichtiger ist als
wir selbst.
Unsere Generation ist besessen von Perfektion, gefangen in einer Scheinwelt. Wir vergleichen uns mit
den gefilterten Menschen auf Social Media – was nicht perfekt ist, wird nicht gepostet. Wir haben den
Bezug zur Wirklichkeit verloren, eine Generation die nicht realer als BeReal sein kann.
Wir müssen zusammenhalten, gemeinsam kämpfen und unseren Planeten retten, doch kämpfen wir
ständig gegen uns selbst.
Uns wir gesagt alles werden zu können, alles haben zu können, aber werden wir überhaupt noch
irgendwas? Ist es in einigen Jahren noch möglich zu sein, wenn wir nicht einmal wissen wer wir selber
eigentlich sind?
Lied – Feind von Elif, Azad
Autor: Noexchen

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