Finde die Gemeinsamkeit!
Ein Quiz zum Mitraten
Auf WDR 2 läuft sonntags das „härteste Radio-Quiz der Welt“. Es werden über die Sendung hinweg insgesamt vier Begriffe genannt. Aufgabe der Hörerinnen und Hörer ist es, die Gemeinsamkeit herauszufinden, die sich die Redaktion dazu ausgedacht hat.
Diesem Vorbild entsprechend möchte ich auch hier ein kleines Quiz starten, bei dem du gerne mitraten darfst. Beginnen wir also: Das (vermutlich) härteste Andachtsquiz der Welt!
Die vier Begriffe lauten:
SCHLANGE
JACKSON UND JORDAN
VORAUSDENKEN
FRANKENSTEIN
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Wenn du mitraten willst, solltest du hier zunächst aufhören zu lesen…
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Und? Eine Idee?
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Ein Tipp: Es hat mit Jesaja 29,16 zu tun…
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Hier kommt die Auflösung:
Die Gemeinsamkeit der vier Begriffe ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Gott oder auch die Eigenschaft des Menschen, sein zu wollen wie Gott.
Die SCHLANGE ist es, die Adam und Eva im Paradies den Gedanken einflüstert, wenn sie die Frucht von dem verbotenen Baum äßen, würden sie sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist (Gen 3,5).
JACKSON UND JORDAN teilen sich den Vornamen Michael, der aus dem Hebräischen kommt und bedeutet „Wer ist wie Gott?“. Niemand, mag man antworten, und entsprechend ist es in der Offenbarung des Johannes der Erzengel Michael, der in einem letzten großen Kampf den Versucher Satan in Gestalt eines Drachen besiegt (Offb 12, 7-9).
VORAUSDENKEN ist ebenfalls die Übersetzung eines Namens, in diesem Fall aus dem Griechischen. Von Prometheus heißt es in der griechischen Mythologie, er habe die ersten Menschen aus Lehm geformt und seinen Geschöpfen später – gegen den Willen der herrschenden Götter – das Feuer sowie weitere Errungenschaften der Zivilisation verschafft. Für diese Hybris wird er vom Göttervater Zeus bestraft, der ihn an einen Felsen kettet, wo täglich ein Adler seine Leber frisst.
Mary Shelley erzählt in ihrem Roman FRANKENSTEIN die Geschichte des gleichnamigen Wissenschaftlers, der von dem Wunsch getrieben wird, selbst wie Gott zu sein und ein menschliches Wesen zu erschaffen. Das bei seinen Experimenten entstandene Geschöpf wendet sich dann aber gegen seinen Schöpfer und tötet aus Rache für die eigene Einsamkeit dessen Freunde und Verwandte.
Alles gewusst? HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!
Falls nicht, ist es auch nicht schlimm, denn eigentlich geht es ja um eine ganz andere Frage: Was hat das alles mit uns persönlich und unserem realen Leben zu tun?
Hier möchte ich noch einmal auf die oben genannten Worte Jesajas zurückkommen, mit denen er den Israeliten ins Gewissen redet:
Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: „Er hat mich nicht gemacht!“ und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: „Er versteht nichts!“ (Jesaja 29,16)
Jesaja kritisiert, dass die Menschen Gott nicht mehr ernst nehmen und sich stattdessen nur noch auf ihre eigenen zwischenmenschlichen Zusagen und Allianzen verlassen. Sie loben Gott mit dem Mund, aber ohne innere Überzeugung und haben sich im Ganzen von Gott entfernt, weil sie glauben, es besser zu wissen als er.
Und wie ist es mit uns? Es besser wissen als Gott, selbst zum Schöpfer werden, sich auf die eigenen Fähigkeiten verlassen: All das hat gerade in unserem modernen Leben wieder eine besondere Aktualität. Wir setzen zwar keine Lebewesen aus Leichenteilen zusammen wie Frankenstein. Doch die Gentechnik ist inzwischen zum Beispiel so weit fortgeschritten, dass das Züchten von Organen keine Utopie mehr ist. Darüber hinaus erschaffen wir künstliche Intelligenzen, die uns das Leben erleichtern sollen, aber gleichzeitig werden die Fragen nach deren Begrenzung immer lauter: Was, wenn die KI zu mächtig wird und die Herrschaft übernimmt? Was, wenn sie sich gegen ihre Schöpfer richtet? Wozu noch beten, wenn ich die KI fragen kann? Die moderne Forschung eröffnet immer neue Möglichkeiten und Räume, sodass kaum noch etwas unerreichbar erscheint. Doch auch im persönlichen Bereich sind uns diese Überlegungen nicht fremd. Wir stehen unter permanentem Leistungsdruck, haben gelernt, für unser Glück selbst zu sorgen („Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst“), streben danach, immer besser zu werden, weil wir glauben, nur dann etwas wert zu sein, wenn wir auch etwas dafür getan haben.
Angesichts all dieser Dinge tut es manchmal gut, die Verhältnisse wieder ein wenig geradezurücken. „Ich bin der Ton, du bist der Töpfer“, heißt es in einem Lied von Luna Simao in Anlehnung an die Worte Jesajas. - Ein Gedanke, der heilsam sein kann: Ich bin geformt von deiner liebevollen Hand, Gott. Du hast mich so gemacht, wie ich bin, weil du das gut und ausreichend fandest. Dabei hat dich kein Ehrgeiz und keine Machtgier angetrieben, sondern nichts als Liebe. Du willst mich nicht kleinhalten, du willst, dass ich mich voll entfalte, so wie du es angelegt hast. Das macht mir Mut, Dinge anzupacken, Ideen umzusetzen. Es befreit mich aber auch von dem ständigen Streben danach, mich selbst noch besser zu machen. Es kann mir helfen, auszuhalten, dass ich manche Dinge nicht erreiche und auch nicht alles verstehe. Es gibt mir Geduld und Zufriedenheit. Und es schenkt mir einen Maßstab und Halt, wenn mir die Realität mit all ihren Möglichkeiten und Versuchungen über den Kopf wächst.
Guter Vater, bitte lass mich nicht vergessen, dass ich dein Geschöpf bin.
Amen.