Ein schlechter Scherz?!
Gedanken zur Tageslosung am 11. September
Es gibt Tage, da kann ich nicht glauben, dass die Tageslosungen zufällig ausgewählt werden. Heute ist so einer. Es ist der 11. September 2026, der 25. Jahrestag der Anschläge auf das World-Trade-Center, und ich reibe mir die Augen angesichts der Bibelworte, die für diesen Tag ausgelost wurden:
David und ganz Israel tanzten mit aller Macht vor Gott her, mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten. (1.Chronik 13,8)
Ein „Party-Vers“ zu diesem schrecklichen Jubiläum?! Aber das ist noch nicht alles. Ich schaue mir den Kontext dieser Szene an: David hat beschlossen, die Bundeslade holen zu lassen. Der beschriebene Festzug begleitet den Transport. Und dann passiert es: Die Rinder, die den Wagen ziehen, brechen aus. Einer der Begleiter, sein Name ist Usa (ja, tatsächlich!), hält intuitiv die Lade fest, damit sie nicht vom Wagen fällt. Doch es ist verboten, die heilige Kiste zu berühren, also lässt Gott ihn an Ort und Stelle sterben.
Die Party findet ein jähes Ende – und ich sitze kopfschüttelnd vor dem Text: Der Tod von USA am Jahrestag von 9/11?! Klingt wie ein schlechter Scherz. Andererseits könnte es auch kaum passender sein. Der Bibeltext verstört mich, ebenso wie die Ereignisse vom 11. September 2001. Und leider machen wir immer wieder die Erfahrung, dass Glück sich plötzlich in Grauen verkehrt. Mir fällt ein anderes schreckliches Datum ein, der 7. Oktober 2023, als Menschen fröhlich auf einem Musikfestival in Israel tanzten, bevor sie plötzlich von Hamas-Terroristen überfallen, verschleppt, gefoltert und getötet wurden. Oder der Anschlag am Bondi-Beach im vergangenen Jahr, wo Menschen sich ebenfalls in Feierlaune zum Chanukka-Fest versammelt hatten.
Und dann kommt immer wieder die eine Frage auf: Warum? Warum lässt Gott das zu? Welchen Sinn hat der Tod dieser unschuldigen Menschen? Was haben sie falsch gemacht? Und wie bei Usa in der Bibel denke ich: Nichts. Und trotzdem sind sie tot.
Auch im Privaten gibt es solche Schicksalsschläge: Ein Autounfall, eine Krankheit, ein Gewaltverbrechen. Auch da stellt sich die Frage: Warum? Und auch da bleiben wir oft verstört zurück und stellen fest: Wir verstehen Gott nicht.
Die Frage ist, wie man mit dieser Feststellung umgehen kann. Und ich weiß keine andere Antwort als: weiter hoffen, weiter glauben. Bestätigung finde ich in der Fortsetzung der Geschichte der Bundeslade. David wird zum König erhoben, die Lade kommt nach Jerusalem, die Pauken, Harfen und Zimbeln erklingen wieder, und diesmal für einen wahren Triumphzug mit gutem Ende und Gottes Segen.
Es ist nicht immer einfach, an diesem Glauben festzuhalten, wenn das Schicksal im eigenen Leben zuschlägt, und doch scheint es mir die einzige Option zu sein: Auch nach unseren persönlichen Schreckenserfahrungen soll, muss und wird es wieder Partys geben, es wird wieder fröhlich getanzt werden. Und auch die schrecklichsten Erlebnisse sollen und dürfen uns nicht davon abbringen zu glauben, dass Gott es gut mit uns meint, dass er da ist und da war und immer da sein wird.
Amen.