sammlung

Ein Baum für die Übersehenen

Früchte und Pflanzen der Bibel - Andachten für jeden Tag

„Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern ich bin ein Rinderhirt, der Maulbeerfeigen ritzt.“ (Amos 7,14)

So stellt sich Amos vor: kein Gelehrter, sondern ein Arbeiter für die Armen. Er kennt den Maulbeerfeigenbaum – eigentlich ein Baum für arme Menschen, die sich keinen „richtigen“ Feigenbaum leisten konnten. Dessen Früchte sind zwar essbar, aber nicht sehr wohlschmeckend. Sie werden erst genießbar, wenn sie angeritzt werden – ein unscheinbarer, mühsamer Dienst. Und so spricht Amos dann auch als Prophet: klar, unbequem, auf der Seite derer, die übersehen werden.

Viele biblische Bücher später begegnet uns derselbe Baum bei Zachäus (Lukas 19). Der reiche Zöllner klettert auf einen Maulbeerfeigenbaum – einen Baum für arme Leute. Er sucht Überblick und Schutz. Aber Jesus bleibt bei ihm stehen. Er sieht Zachäus an, spricht ihn an und kehrt bei ihm ein. Dieses Ansehen wirkt wie ein Riss in der harten Schale: Zachäus wächst über sich hinaus, teilt, gibt zurück, was er genommen hat. Der vorher „ungenießbar“ war, wird fruchtbar.

Der Maulbeerfeigenbaum verbindet beide Geschichten: Amos und Zachäus. Wo Gott Menschen beruft und ansieht, entsteht Veränderung. Gerechtigkeit wird gesucht, zugesprochen – und beginnt zu wirken. Vielleicht dürfen wir, angeritzt von Jesu Anblick, selbst Baum werden: ein Ort von Schatten, Heilung und neuem Leben für viele.

Text: Stephan Zeipelt
Bibelstellen zur Andacht:
Am 7,14 - 14

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