Du bist kein „No name“
Eine schlumpfige Andacht
„No name“ – so heißt der Held im neuen Kinofilm „Die Schlümpfe“. Er heißt so, weil er im Gegensatz zu seinen Kollegen noch nicht herausgefunden hat, was „sein Ding“ ist. Alle anderen Schlümpfe haben ihr besonderes Talent oder eine bestimmte Eigenschaft, die ihnen einen Namen verleiht. Es gibt Schlaubi, der so heißt, weil er schlau ist, Muffy, den man nie mit guter Laune antrifft, Hefty, der besonders stark ist; neu dabei sind der Soundeffekte-Schlumpf, der alles, was passiert, mit den passenden Geräuschen begleitet, oder auch der Influencer-Schlumpf, der sein Leben in den sozialen Medien präsentiert. Jeder kann etwas und ist dadurch etwas Besonderes. Nur „No name“ weiß noch nicht, was ihn ausmacht. Dieser Zustand belastet ihn zunehmend, doch Papa und Schlumpfine bleiben ganz entspannt: „Du wirst schon herausfinden, was dein Ding ist. Lass es einfach raus.“ Im Laufe des Kino-Abenteuers wird „No name“ entdecken, wozu er bestimmt ist, und mit seinen magischen Kräften die Schlümpfe vor einer Allianz böser Zauberer retten.
Doch die Einzelheiten dieses Abenteuers interessieren mich gar nicht mehr, meine Gedanken sind an einer anderen Stelle hängengeblieben. „No name“, der Schlumpf ohne Namen, der nicht weiß, was seine Bestimmung ist.
Das kennen wir doch auch im realen Leben: Ich suche nach etwas, das mich ausmacht, will herausfinden, wer ich eigentlich bin. Ich probiere mich aus, entdecke Talente, fühle mich wohl, wenn ich mich damit in der Gemeinschaft einbringen kann, wenn ich Anerkennung und Wertschätzung dafür erfahre. Aber ich erlebe auch Unsicherheit und Orientierungslosigkeit auf dieser Suche: Habe ich „mein Ding“ gefunden oder gibt es noch eine andere Bestimmung für mich? Wo werde ich wirklich gebraucht, wo passe ich hin und kann dabei ganz ich selbst sein? Manchmal fällt es mir genauso schwer wie „No name“, das Gefühl auszuhalten, dass ich „mein Ding“ noch nicht gefunden habe oder dass es noch nicht alles ist. Ist das, was ich tue, überhaupt das, was ich sein möchte? Sehen meine Mitmenschen überhaupt, was ich wirklich bin? Und was, wenn ich „mein Ding“ nie finde oder zeigen kann, hat mein Leben dann überhaupt einen tieferen Sinn?
Mir fällt ein Bibelvers dazu ein:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43, 1)
Jesaja richtet diese Worte Gottes an das Volk Israel, das sich im babylonischen Exil befindet. Gott verspricht den Israeliten, sie zu retten und immer bei ihnen zu sein. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“ bedeutet dann soviel wie: Du bist mir wichtig, du gehörst zu mir, ich lasse dich nicht allein.
Ich habe mich schon öfters gefragt, warum dem Namen in unserer Beziehung zu Gott so eine große Bedeutung beigemessen wird. Eigentlich ist es doch egal, wie ich konkret heiße. Aber ich glaube, einen Namen zu haben bedeutet bei Gott, anerkannt zu sein für das, was ich bin, eine Bestimmung zu haben. Und genau das verspricht er uns. Du bist etwas bei Gott, er hat einen Namen für dich, du bist sein geliebtes Kind. Gott hat etwas vor mit dir, dafür steht dein Name.
Wir feiern diese Zugehörigkeit zu Gott in der Taufe. Durch die Taufe werden wir vom „No name“ zu Gottes Kind. Seine Liebe begleitet uns für alle Zeiten. Von diesem Moment an gilt: Bei Gott musst du nicht erst etwas werden, du bist es schon: Du bist der „Gottes geliebtes Kind“-Schlumpf, und das ist das Entscheidende. Welche Namen du dir sonst noch erwirbst im Leben, ist tatsächlich nebensächlich, wenn du einmal erkennst, dass die Beziehung zu Gott „dein Ding“ ist.
Gott weiß, wer du bist und was du sein sollst, darauf kannst du vertrauen. Und er wird dich dorthin führen, wo er dich braucht. Du hast eine Aufgabe bei Gott, die nur du erfüllen kannst. Du bist ihm unglaublich wertvoll und dafür musst du dir nicht erst einen Namen machen, denn du hast bei Gott schon einen Namen. Gott hat dich so gemacht, wie du bist, weil er dich so wollte und dich so braucht. Freu dich daran, dich selbst und deine Aufgabe zu entdecken und lege das Wie und Warum und all die anderen Zweifel und Fragen in seine Hände. Gott lässt dich nicht allein, dein Name steht auf seiner Liste.
Amen.