Die Weihnachtsgeschichte - eine Geburtsgeschichte
In jeder Geburt liegt ein Moment der Schöpfung
In wenigen Tagen feiern wir Weihnachten. Ein Fest, das wir oft mit Bildern von Kerzen, warmem Licht und vertrauten Liedern verbinden. Doch die Weihnachtsgeschichte ist, wenn wir genau hinschauen, mehr als ein Lichterfest. Sie ist vor allem eines: eine Geburtsgeschichte.
Eine Freundin von mir ist Hebamme und hat sich auch als Lehrerin an einer Hebammenschule viel mit dem Besonderen einer Geburt beschäftigt.
Sie meint: "Es gibt keinen Moment, der so bewegend ist. Warum? Weil sich für alle Beteiligten alles verändert. Es ist ein Moment, der nicht unterschiedlicher sein kann. Von leicht und lebendig - bis kräftezehrend und herausfordernd."
"Ein Moment der alles verändert…"
In der Schöpfungsgeschichte schwebt der Geist über den Wassern und die Welt wird.
Alles verändert sich. Scheinbar aus dem Nichts heraus entsteht neues Leben. Darüber kann man nur staunen, so wie heute noch, wenn aus einem unscheinbaren Samenkorn eine Pflanze wird.
In der Geburtsgeschichte Jesu ist es erneut der Geist, der etwas Neues in die Welt bringt. Die Geburt Jesu ist ein Akt der Schöpfung, des Werdens. Sie erinnert daran, dass Gott die Welt nicht einfach so lässt, wie sie ist. Mit der Geburt Jesu kommt etwas Neues in die Welt. Nicht nur ein Kind – nicht nur ein Mensch. Sondern die Erinnerung und die Verheißung, dass in dieser Welt und in unserem Leben Göttliches geschehen kann.
Der Mittelalterliche Mystiker Meister Eckhart, der um 1300 lebte, formuliert das so:
„Wir sollen Gott in uns gebären, so wie er seinen Sohn geboren hat. Dass Gott in uns geboren wird, geschieht immer dort, wo wir Raum schaffen für ihn.“
Weihnachten ist dann nicht nur die Erinnerung an die Geburt Jesu vor über 2000 Jahren. Es ist auch eine Einladung, Gott heute in unserem Leben Raum zu geben – in unseren Gedanken, in unserem Tun, in unseren Hoffnungen.
Die Umstände dieser Geburt waren dabei alles andere als perfekt. Ein Kind wird geboren, fern von Zuhause, in einem Stall, umgeben von Chaos und Unsicherheit. Und doch beginnt gerade hier etwas Großes. Die Botschaft der Weihnachtsgeschichte ist klar: Gott wirkt auch dort, wo die Bedingungen schwierig sind. Er beginnt Neues, wo wir es vielleicht am wenigsten erwarten – im Kleinen, im Unscheinbaren.
Gott wagt es, etwas in Bewegung zu setzen, selbst wenn die Welt noch nicht bereit zu sein scheint. Ein neugeborenes Kind in einer Krippe – wie unscheinbar! Und doch ein Zeichen: Es beginnt etwas, das wachsen will, das aufblühen will. Umgeben von Liebe, einen Moment des Friedens und der Hoffnung, aus der wir leben.
Christian Uhlstein, Landesjugendpfarrer der Ev. Kirche von Westfalen