Der vermeindliche Makel der Hoffnung
Eine Andacht aus der nerdchurch.
Der vermeintliche Makel der Hoffnung
<Stein fallen lassen.>
Ein Stein fällt zu Boden. Das tut er. Sooft ich ihn fallen lasse. Und nicht nur dieser Stein, jeder Stein den ich fallen lasse, fällt zu Boden. Und nicht nur bei mir, bei jedem Menschen und nicht nur hier überall auf der Welt fallen Steine zu Boden. Das Wissen wir. Es wurde erforscht und bewertet. Wer ganz genau sein will, der wird sagen : Der Stein fällt nicht nach unten, er wird von der großen Masse der Erdkugel angezogen und bewegt sich auf deren Zentrum zu. So fällt ein Stein in Neuseeland etwas genau nach oben, von uns aus gesehen.
Das passiert auch nicht nur mit Steinen, sondern mit allem. Gravitation nennt sich die Kraft. Und weil ich das weiß, gehe ich auch nicht ungesichert Klettern, denn auch ich falle zu Boden. Das weiß ich. Das war schon immer so, und das wird immer so sein.
Im Glauben sieht das ein wenig anders aus. Ich glaube an Gott*, den/die ich vor allem durch ein Buch kenne. In diesem Buch (der Bibel) stehen Geschichten von einem Menschen (Jesus) der am Ende seines Lebens den Tod überwunden hat. Vor circa 2000Jahren war das.
Viel Wissen über Gott* habe ich mir in den fast 50 Jahren, die ich auf dieser Welt nun schon spiele, nicht angeeignet. Denn am Ende gibt es aus meiner Sicht sehr wenig, was ich wissen kann. Ich behaupte, dass wann immer ich mir einbilde, etwas über Gott* zu wissen, irre ich. Gott* lässt sich nicht durch kognitive Fähigkeiten erfassen und in Wissen beschreiben. Es geht am Ende nicht um Wissen, sondern um Glauben. Ich glaube das Gott* existiert.
Und beim Blick auf das Ende meines Lebens auf Erden, kann ich auch nicht vollständig ruhig bleibe. Ich weiß nicht, was danach kommt. Ich gehe auf diesen letzten Schritt nicht mit Gewissheit zu, dass alles gut wird. Ich gehe in der Hoffnung, dass Gott*es Liebe mich auch dann trägt und geleitet. Und diese Hoffnung hat einen Makel und eine große Kraft.
Wenn ich auf etwas hoffe, dann ist es in der deutschen Sprache so angelegt, dass ich mir dessen nicht sicher sein kann. Das erhoffte Ereignis ist nicht sicher. Es kann sein, dass die Hoffnung vergebens war, dass wider aller Hoffnung das Ereignis nicht eintritt. Hoffnung ist keine Sicherheit.
Und so lebe ich in einer Welt, die mich an vielen Stellen überfordert. Das, was ich für Weltgeschehen erachte, fliegt in den Nachrichten an mir vorbei. Und ich weiß, dass nahezu 100% dessen, was auf der Welt geschieht, niemals zu mir durchdringen wird. Ungezählte menschliche Leben nehme ich nicht war, genauso, wie am Ende auch mein Leben im Rausch der Zeit verschwinden wird.
Und ich lebe mit einer brüchigen Hoffnung auf Gott*, der/die vor 2000 Jahren sich „einmalig“ gezeigt hat.
Manchmal hätte ich gern das Wissen, das Gott* existiert. Die Klarheit was Gott* von mir und meinem Leben will. Genau wie das Wissen, das ein Stein zu Boden fällt. Keine Fragen mehr, sondern klare Antworten zu haben.
<Seifenblasen pusten.>
Doch dann fällt mir auf, dass nicht alles zu Boden fällt. Seifenblasen zum Beispiel, fallen nicht zu Boden. Flugzeuge fliegen, Heißluftballons fahren im Himmel und fallen nicht runter. Mit dem Wissen kommen die Grenzen. Wissen kann genutzt werden, ist verfügbar. Mit Wissen kann ich mehr Wissen schaffen neu Erkenntnisse gewinnen und auch die Grenzen der Schwerkraft überwinden. Und im Wissen um Gott* läge eben auch das Wissen um seine Endlichkeit begründet. Denn da, wo es Wissen gibt, gibt es auch Bereiche, die wir nicht erklären können, die uns fremd bleiben.
Hoffnung kann durch Wissen zerstört werden. Wenn ein Mensch glaubt, dass ein Medikament ihm hilft, dann entfaltet dieses Medikament oft eine gute (reale) Wirkung. (Placeboeffekt) Dieser Effekt wird erst dann zerstört, wenn der Mensch weiß, dass es sich um eine nichtwirkende Arznei handelt. Das Wissen zerstört dann den Glauben und auch dessen positive Wirkung. „Not knowing is a bliss“ zu Deutsch „Nichtwissen ist ein Segen“ hat einen tiefen … Wahrheitsgehalt.
Ich glaube und hoffe ich auf Gott*. Gott* bewertet mein Leben nicht. Gott* liebt mich. Ich kann nur auf diese Liebe hoffen, weil Liebe eben keine Gewissheit und kein Wissen ist. Weder die göttliche, noch die menschliche. (Versucht es, erklärt mal die Liebe zu Eurer Freund*in oder Partner*in) In dieser Liebe kommt Gott* allen Menschen entgegen, nicht in einem einzelnen Menschen vor 2000 Jahren. Wissen oder Hoffen, Sicherheit oder Liebe, mein Weg im Glauben wird noch sehr lang sein, und erst am Lebensende zu einem Ende kommen.