sammlung

Der Syrer und ich

Andere Bekanntschaften

Ich habe Faraj (sprich: Farasch) bei einem Sprachkurs in meiner Kirchengemeinde kennengelernt. Faraj ist Syrer, geflohen, weit weg von seiner Heimat. Aber Faraj ist glücklich, sagt er. Voller Stolz hat er mir vor kurzem seine erste eigene Wohnung gezeigt. Wir trinken arabischen Kaffee. Faraj freut sich, weil mir der Kaffee schmeckt. Später gehen wir Spazieren. Wir unterhalten uns über den Glauben. Für Faraj ist das etwas ganz Normales. Er kann nicht verstehen, warum die Menschen in Deutschland so wenig über ihren Glauben sprechen. Ich versuche ihm zu erklären, dass Glaube in Deutschland viel privater ist als in seiner Heimat. Staat und Kirche sind getrennt. Das gefällt mir an meiner Heimat. Mir gefällt aber auch, wie Faraj über seinen Glauben redet. Der Islam ist ihm wichtig. Wenn er davon spricht, ist er voller Leidenschaft. Faraj weiß, was er glaubt und kann mir davon erzählen. Dann stellt er mir einige Fragen zu meinem Glauben. Schnell stelle ich fest: So gut wie er mir den Islam erklären kann, kann ich ihm das Christentum nicht erläutern . Vermutlich, weil ich nicht so geübt bin wie er. Gerne würde ich mich klarer ausdrücken können. Gespräche mit Faraj sind mir wertvoll. Weil ich ihn und seinen Glauben besser kennenlerne – abseits von Vorurteilen. Aber auch, weil Faraj mich herausfordert, mehr darüber nachzudenken, was ich eigentlich glaube.

Manuel Neeb

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