sammlung

Der Mensch heißt Mensch…

…und was bedeutet das?

Gott schuf sie als Mann und Frau und segnete sie und gab ihnen den Namen »Mensch«. (1.Mose 5,2)

In diesem Moment, Gott, hast du uns deinen Stempel aufgedrückt: Adam, Mensch – nach deinem Bild geschaffen, aber aus Erde, daran soll der Name erinnern. Seitdem bewegen wir uns im Spannungsfeld dieser beiden Pole: Einerseits besonders eng verbunden mit dir, Gott, durch den Gedanken, etwas Wesentliches von dir zu haben, und andererseits im Irdischen verhaftet und an den Erdboden mit all seinen Abgründen gebunden.

Du hast uns als soziale Wesen geschaffen, als Mann und Frau. Du hast uns die Fähigkeit zu lieben gegeben, hast uns Zuneigung, Zärtlichkeit, Fürsorge und Verantwortung entdecken lassen, aber zugleich auch Neid, Eifersucht, Enttäuschung und Hass.

Wir haben von dir Verstand und Einsicht bekommen, sodass wir planen, reflektieren und forschen können. Doch zugleich hast du unsere Lebenszeit begrenzt und uns mit der Erfahrung von Verlust und Endlichkeit konfrontiert. Du hast uns ermöglicht, dem großen Glück auf die Spur zu kommen, aber uns auch der Angst ausgesetzt, es wieder zu verlieren.

Du hast uns Menschen deinen Segen gegeben, Gott, aber es war dir wohl von Anfang an bewusst, dass wir unsere Freiheit auch dazu nutzen würden, uns von dir abzuwenden und auf der Erde unseren eigenen Herrschaftsbereich aufzubauen.

Es ist manchmal geradezu absurd, sich vorzustellen, dass du all das gewollt hast, Gott, aber so muss es wohl sein. Du hast uns genauso menschlich gewollt, wie wir sind.

Und der Mensch heißt Mensch,
weil er irrt und weil er kämpft,
weil er hofft und liebt,
weil er mitfühlt und vergibt,
und weil er lacht und weil er lebt, du fehlst.

Poetischer könnte man das Wesen des Menschen kaum beschreiben, als es Herbert Grönemeyer in diesen Zeilen aus seinem Lied „Mensch“ tut: Der Mensch macht Fehler, läuft in die Irre, kämpft sich durchs Leben, hält sich an Liebe und Hoffnung fest, er lebt in vollen Zügen, genießt den Moment. Und er erlebt Verlust, die Endlichkeit zerschmettert Hoffnungen, macht Pläne zunichte. Und trotzdem scheint die Sonne weiter, und trotzdem gibt es wieder Leichtigkeit, und trotzdem glauben wir wieder und vertrauen aufs Neue.

Das bedeutet es wohl, Mensch zu sein: So sehr lieben zu können, dass wir bereit sind, unser Leben für einen anderen zu geben, Pläne zu machen, als gäbe es nichts als Unendlichkeit – und dadurch besonders verletzlich zu werden, besonders angreifbar durch Erfahrungen von Enttäuschung und Verlust, die so sehr schmerzen, dass man das Gefühl hat, selbst nicht mehr weiterleben zu können.

Und der Mensch heißt Mensch,
weil er vergisst, weil er verdrängt,
weil er schwärmt und glaubt,
sich anlehnt und vertraut,
und weil er lacht und weil er lebt, du fehlst.

Immer wieder aufstehen, immer wieder neu hoffen und lieben – ich glaube, das ist das Wesen des Menschen, zu dem du uns bestimmt hast, Gott – weil wir dir darin so nahe kommen, wie es uns auf Erden nur möglich ist. Und wir dürfen so menschlich sein, uns ganz in das Mensch-Sein hineingeben, weil du da bist, weil deine Liebe immer weitergeht, weil wir uns bei dir anlehnen können.

Danke, Vater, für alles Menschliche: für lieben und lachen, für weinen und schreien, für suchen und finden, für hoffen und vertrauen. Danke für alles.
Amen.

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