Der Duft von Weihnachten
Eine Andacht für alle Sinne
Unsere Nase ist unglaublich leistungsfähig: Mit 30 Millionen Riechzellen können wir Gerüche ein Leben lang speichern. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie Weihnachten riecht? Für mich ist es der Duft von Tannennadeln, Orangen, Lebkuchen, Zimt und ein bisschen Kerzenwachs. Vielleicht hast du auch einen ganz eigenen Weihnachtsgeruch, der dich an deine Kindheit erinnert? Sicher!
Doch Weihnachten riecht nicht nur bei uns, sondern schon in der ursprünglichen Geschichte spielten Düfte eine Rolle. Im Matthäusevangelium wird erzählt, dass die Weisen aus dem Morgenland neben Gold auch Weihrauch und Myrrhe mitbrachten – wohlriechende Harze mit spannender Geschichte. Myrrhe war ein Allheilmittel, das bei Wunden und inneren Beschwerden half. Weihrauch, den man aus Baumharz gewinnt, wird bis heute in Kirchen verbrannt – ein Zeichen für Gebete, die zum Himmel aufsteigen.
Und dann gibt es in der Weihnachtsgeschichte neben den Wohlgerüchen noch eine anderen "Duft". Sie erzählt auch von Stroh, Mist und dem Geruch eines Stalls. Jesus wurde in einer Krippe geboren – einem Futtertrog für Tiere. Das riecht nicht nach Parfüm, sondern… naja, nicht so angenehm. Und doch ist das für mich das Besondere: Gott kommt in eine Welt, die nicht perfekt ist. In eine Welt, die chaotisch, schmutzig und manchmal „stinkt“.
Kennst du das Gefühl, dass dir etwas „zum Himmel stinkt“? Streit, Ungerechtigkeit, Egoismus – real life. Jesus hat sich nicht davon abschrecken lassen. Er wuchs mitten unter den Menschen auf, die Fehler machten, die ausgegrenzt wurden. Er hat ihren „Stallgeruch“ angenommen und sie nicht zurückgewiesen.
Das ist Weihnachten: Gott macht es anders als wir. Wo wir sagen: „Ich kann das nicht mehr riechen“ und uns abwenden, öffnet Gott die Tür und kommt auf uns zu – genauso, wie wir sind.
In Bethlehem roch es nach Stall und Mist, ja. Aber wenn du genau hin riechst, kannst du vielleicht auch Liebe riechen. Jetzt sagst du vielleicht: Liebe hat keinen eindeutigen Geruch. Und doch „riechen“ wir sie, wenn wir die Augen schließen und uns hineinfühlen. Liebe duftet nach Momenten, in denen du dich geborgen fühlst, nach kleinen Gesten, die dein Herz wärmen, oder nach Erinnerungen, die dir ein Lächeln schenken. Liebe ist nicht immer bequem. Manchmal riecht sie nach Mühe, nach Schweiß, wenn man sich für andere aufopfert. Doch genau darin steckt wahre Zuneigung. Diese Liebe ist so stark, dass sie selbst durch die Wände eines Stalls hinaus in die Welt strömt – bis zu uns.
Mein Wunsch für dich:
Lass dich an Weihnachten auf die Düfte ein – die schönen und die herausfordernden. Nimm wahr, was dich stört, was in deinem Leben vielleicht „stinkt“. Aber lass dich auch vom „Duft der Liebe“ überraschen, der von Bethlehem bis heute die Welt erfüllt. Gott ist da und treu, auch wenn du das Gefühl hast, alles läuft schief. Und dann wird auch für dich ein kostbarer Duft aus dieser Nacht kommen – ein Duft, der Herz und Seele füllt.
Frohe Weihnachten!
Christian Uhlstein, Landesjugendpfarrer der EKvW