Brot verbindet.
Das Leben als Brot-Verkostung
Brot verbindet. Als ich neulich beim Bäcker ein paar Brötchen kaufte, entdeckte ich auf der Tüte diesen Satz. Unter dem Motto „Brot verbindet“ ruft die Bäckerei-Kette das „Jahr des Brotes“ aus, mit verschiedenen Aktionen zum Thema Brot inklusive gemeinschaftlicher Brotverkostung unter Anleitung eines Brotsommeliers. Brot verbindet… Ich muss schon Dutzende dieser Tüten nach Hause getragen, aber diesen Satz bisher immer übersehen haben. Doch dieses Mal ist es anders, dieses Mal gibt mir der Satz zu denken.
Brot verbindet… Mir schießen Bilder in den Kopf von Brot, das Gemeinschaft stiftet: Stockbrot am Lagerfeuer, ein geteiltes Pausenbrot auf dem Schulhof, ein frisch gebackenes Brot auf dem Familientisch zum Abendessen. Auch der mittlerweile nicht nur bei russischen Hochzeiten beliebte Brauch, den frisch Getrauten Brot und Salz zu überreichen, fällt mir ein: Das Brot steht dabei für den Wunsch, dass es dem Brautpaar an nichts fehlen soll, dass ihre Ehe mit Wohlstand und Beständigkeit gesegnet sein möge – und mit einer Prise Salz für die nötige Würze.
Brot verbindet… auch beim Abendmahl. „Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Brot verbindet uns als Christinnen und Christen, wenn wir uns gemeinsam bewusst machen, dass Jesus gestorben ist, damit wir leben können. Somit steht das Brot auch für unsere Verbindung zu Gott. Jesus stiftet diese Verbindung, die für alle Zeiten und unter allen Umständen bestehen bleibt. Nichts kann uns jemals von Gottes Liebe trennen.
Jesus spricht: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh. 6,35)
Jesus verschafft mir das, was ich wirklich zum Leben brauche, Gottes Liebe. Sie ist, so wie das Brot, das Grundnahrungsmittel meines Lebens. Ich denke an die Momente, in denen ich zwar körperlich satt, aber trotzdem irgendwie hungrig bin, nach einem Mehr an Sinn, nach einer tieferen Erfüllung, nach dem Gefühl, voll und ganz und wahrhaftig geliebt zu sein. All dies verspricht mir Jesus.
Brot verbindet, Jesus verbindet mich mit Gott… Ich habe die vielen Brotsorten vor Augen, aus denen ich beim Bäcker wählen kann. Darf ich mir bei Jesus aussuchen, welches Brot ich nehme? Und machen mich alle gleichermaßen satt? Welches ist das richtige für mich?
„Unser tägliches Brot gib uns heute“ – Was darf es denn sein? Ein leckerer Rosinenstuten oder eine süße Butterbrioche? Bekomme ich immer, was ich mir wünsche? Oder reicht mir Jesus nicht manchmal eine salzige Laugenstange, obwohl ich ein fluffiges Weißbrot bestellt habe? Knabbere ich nicht manchmal an seinen Worten herum wie an einem trockenen Knäckebrot, weil sie mir nicht so richtig nahekommen? Oder liegt mir das gehaltvolle Körnerbrot nicht manchmal etwas schwer im Magen?
Ich glaube, es ist das Besondere an Gottes „täglichem Brot“, dass es nicht immer dasselbe ist und auch nicht immer das, was wir selbst für das beste und passendste halten. Die Mischung macht’s, auch bei unserer Verbindung zu Gott. Es gibt Tage, da ist meine Verbindung zu Gott so süß wie ein Rosinenstuten, aber manchmal gibt Gott mir auch etwas, um daran herumzukauen, manchmal schwer Verdauliches. Doch eines gilt, egal welches Brot er mir auftischt: Dieses Brot verbindet, es verbindet mich mit Gott, ich bin nie ohne ihn.
Und darüber hinaus bin ich mit den anderen Menschen verbunden, die er ebenfalls mit diesem Brot versorgt. Wir können uns gegenseitig auf die verschiedenen Geschmäcker von Gottes Liebe hinweisen, können uns erzählen, welche Köstlichkeiten und Kuriositäten wir schon kosten durften, und wir können uns ermutigen, auf seine Brot-Auswahl zu vertrauen. Denn manchmal weiß Gott einfach besser, was ich gerade brauche, um wirklich satt zu werden.
Amen.