Benennen und Zähmen.
Eine Andacht aus der Nerdchurch: Projekt 7 Tage - 7 Andachten
7 Tage 7 Andachten: Tag 4
Benennen und Zähmen.
In der jüdischen Tradition wurde der Name Gottes nie ausgeschrieben. Es wurden Umschreibungen gewählt. JHWH ist die Schreibweise, wie genau die Aussprache ist, bleibt offen.
Was ist meine Idee dazu?
Nun zum einen ist alles, was einen Namen hat, in gewisser weise durch den Menschen beherrscht. G*tt gab dem Menschen im Paradies eine Hilfe: Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen. (1Ms 2,19 LUT)
Der Mensch gibt allem einen Namen, nur G*tt nicht.
Und dennoch sind Namen wichtiger Teil unserer Religion: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jes 43,1 LUT) wird im Taufritus immer gerne verwendet. G*tt benennt den Menschen, ruft ihn bei seinem Namen und so bekommt G*ttes Liebe zu diesem Menschen einen irdischen Ausdruck.
Spannend wird es, wenn ein Mensch den Namen Gottes kennt. So sagt G*tt in Psalm 91:„Er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.“ (Psalm 91,14 LUT) Und damit billigt er dem Menschen, der G*ttes Namen kennt, eine gewisse Macht zu.
Die Idee, das Namen Macht über Dinge geben, ist auch in der fantastischen Literatur nicht unbekannt. Ich fange beim Grimmschen Märchen „Rumpelstilzchen“ an, komme über Arthur C. Clarkes „The Nine Billion Names of God“ (“All the many names of the Supreme Being — God, Jehovah, Allah, and so on — they are only man-made labels. … but somewhere among all the possible combinations of letters that can occur are what one may call the real names of God.”) und Ursula K Le Gions „Erdsee“ (“Eine Inselwelt, von Menschen und Drachen bewohnt. Wo die Natur von Magie durchdrungen ist. Und jedes Ding und jedes Wesen einen machtvollen wahren Namen trägt.“) zu Joanne Harris „Runemarks“ („A named thing is a tamed thing”).
Immer wieder treffen wir die Idee, dass Namen Macht bedeuten. Insofern wundert es nicht, dass es inzwischen auch Einzug in Coaching Methoden gefunden hat. „Name it to Tame it“ geht davon aus, dass wir Dinge, die wir klar benennen, besser bewältigen können.
Zurück zur Benennung des Menschen durch G*tt. Die Taufe ist ein wunderbares Ritual, in dem viel von dieser Idee steckt. Daher Taufen wir Kinder auch ganz früh im Leben. Viel davon ist, wie so viele andere Mystik, in den wirren der Geschichte, der Übernahme staatlicher Einwohnerpflege und den männlichen und hierarchischen Ebenen der Theologie verloren gegangen. Schade eigentlich.
Am Ende gefällt mir die Idee, das G*tt sich auch dadurch von uns Menschen unterscheidet, das wir den Namen G*ttes eben nicht zu unserer Verfügung haben, sehr gut. Nicht wir haben Macht über G*tt, sondern G*tt wendet sich in Liebe zu uns. Und diese Liebe dürfen wir im Vertrauen und ohne Namen erwidern.