Be a Baobab
Durststrecken überwinden
Baobab – Wer diesen Namen kennt, hat bei Kreuzworträtseln einen Vorteil: Der Afrikanische Affenbrotbaum ist durch seinen extrem dicken Stamm optimal an die Bedingungen in der Savanne angepasst, denn er kann große Mengen Wasser speichern und in der Trockenzeit davon zehren. Auch andere Pflanzen in heißen und trockenen Regionen haben ganz eigene Strategien entwickelt, um mit den Bedingungen ihres Lebensraums klarzukommen. Manche dehnen ihr Wurzelsystem sehr stark in die Breite aus, um das knappe Oberflächenwasser auf einer möglichst großen Fläche zu sammeln. Akazien haben dagegen eine andere Strategie: Sie bohren ihre Wurzeln so tief in den Boden, dass sie selbst in der Wüste das Grundwasser erreichen und der oberflächlichen Trockenheit trotzen können.
Vielleicht hatte Jeremia eine solche Akazie mit ihrer weit ausladenden, schirmartigen Krone vor Augen, wie sie auch heute noch in den Wüstenregionen Israels vorkommt: Jedenfalls nutzt der Prophet den Vergleich mit einem Baum und seiner Widerstandsfähigkeit gegen die Trockenheit, um zu erklären, welchen Vorteil es haben kann, auf Gott zu vertrauen:
Gesegnet ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist.?Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte. (Jeremia 17,7-8)
Es waren tatsächlich keine einfachen Zeiten, in denen Jeremia lebte. Die meisten Stämme Israels waren von den Assyrern besiegt und verschleppt worden. Die verbliebenen Israeliten wandten sich immer wieder anderen Göttern zu, beteten Götzen an. Jeremia ermahnt sie, weiter an Gott und am Glauben festzuhalten, auch wenn ihr Leben gerade nicht einfach ist – wie der Baum, der die Dürre übersteht, indem er seine Wurzeln zum Wasser ausstreckt…
Durststrecken aushalten, im Leben, im Glauben – welche Strategien haben wir eigentlich dafür?
Vielleicht bist du der Typ Baobab, der von dem Wasser zehren kann, das er in seinem Stamm gespeichert hat. Dann hilft es dir in schweren Zeiten, dich an die guten Momente zu erinnern, dir klarzumachen, wie oft du schon erlebt hast, dass Gott an deiner Seite war, wie reich du schon beschenkt wurdest. Dadurch wird dir vielleicht bewusst, von welch einem dicken und sicheren Stamm du getragen wirst und dass du dadurch auch in Zeiten der Trockenheit mehr als ausreichend versorgt bist.
Vielleicht bist du auch eher der Typ Akazie: In Phasen der Unsicherheit und des Zweifels hilft es dir, in die Tiefe zu gehen. Du brauchst Zeit und Ruhe, um nachzudenken, du suchst Gottes Nähe im Gebet, du liest in der Bibel oder vertiefst dich in die Texte anderer Menschen und deren Erfahrungen, möglicherweise schreibst du auch selbst. Und dann findest du vielleicht irgendwo den Zugang wieder, der deinen Glauben neu erfrischt.
Oder du gehörst zu den Flachwurzlern, die in der Breite das nötige Wasser finden. Wenn dein Glaube eingetrocknet ist, probierst du verschiedene neue Wege aus, du brauchst ein wenig Zerstreuung, sammelst in vielen kleinen Momenten die positiven Erfahrungen, die dich von Neuem bestärken. Vielleicht vernetzt du dich bei dieser Gelegenheit mit anderen, lässt dich von ihrem Glauben mitziehen.
Alles in allem gilt: Durststrecken gehören dazu. Glaube muss und kann nicht immer ein spritziges, sprudelndes Erlebnis sein, auch wenn das schön wäre. Sehnsucht nach Gottes Nähe zu haben ist etwas völlig Normales und heißt nicht, dass Gott nicht da ist, im Gegenteil.
Welcher Typ Baum du auch bist: Entscheidend ist, dass du vor allem SEIN Baum bist. Gott will dir nahe sein und er hat dich mit allem ausgestattet, was du brauchst, um diese Nähe zu erfahren. Ob Baobab oder Akazie, du bist sein Baum, Gott sorgt für dich.
Und das gilt auch dann, wenn du den Eindruck hast, dass dein Glaube unwiederbringlich vertrocknet ist. Dann sollst du sein wie die Wüstenrose, die eine ganz besondere Strategie entwickelt hat, um ihren Fortbestand zu sichern. Am Ende der Wachstumsphase rollt sich die Pflanze ein und vertrocknet zu einer harten Kugel. In ihrem Inneren schützt sie aber auf diese Weise die Samen. Und wenn es dann irgendwann, manchmal auch erst nach Jahren, wieder regnet, breitet sich die Pflanze aus und gibt die Samen frei. So geht es auch mit dem Glauben: Selbst wenn du das Gefühl hast, dass dein Glaube tot ist, ist es immer möglich, von Neuem mit Gott zu beginnen. Er wird wissen, wann und wie er deinen Glauben zu wässern hat, um ihn neu zu beleben.
Gott muss einen grünen Daumen haben, denn er ist ein unschlagbar guter Gärtner für uns, seine Bäume.
Amen.