sammlung

Ambiguitätstoleranzandacht

wie wir toleranter werden können

Diese kurze Andacht endet aber mit der Einladung selbst etwas zu tun. Und selbst tun braucht etwas Zeit. Daher etwas kürzer.

Ich habe zwei Töchter elf und sechszehn Jahre alt. Das sind wunderbare Menschen, die ich über alles liebe. Aber manchmal, da könnte ich sie auch nehmen und… ihnen einen schönen Urlaub spendieren. In Peru. Ohne mich.

Kennst du das?

Wir lesen in der Bibel: „Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr bittet.“ Eine Aussage von Jesus über das Beten. G*tt blickt tief in unser Innerstes. Aber jeden Sonntagmorgen, rufen wir in den Fürbitten laut Menschen vor Gottes Angesicht.

Kennst Du das?

Wir leben immer mit zwei Wahrheiten, wenn’s gut läuft nur mit zwei. In der Familie, in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche und unserem Glauben.

Die Gemeinden sind das Fundament unserer Kirche ABER sie werden immer kleiner.
Wir müssen nach vorne schauen ABER wir dürfen unsere treuen Mitglieder nicht verlassen.
Die Zukunft unserer Kirche liegt bei den jungen Menschen ABER für die Jugendarbeit ist kein Geld mehr da.

Es gibt sie, diese Gegensätze. Ambiguität nennt das der wortgewandte Mensch. Eine Situation, die zwei Wahrheiten oder Lesarten hat. Und es gibt keine Auflösung, kein richtig.
Wie gehen wir damit um? In unserem Inneren, bei Diskussionen, in unserer Kirche und unserem Glauben?

Ambiguitätstoleranz – ein tolles Wort für Buchstabierwettbewerbe - bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, mit solchen Gegensätzen umzugehen. Je besser die Ambiguitätstoleranz um so eher kommt ein Mensch in unserer von Gegensätzen geprägten Welt zurecht. Weil er oder Sie mit den Gegensätzen umzugehen weiß. Weil nicht jeder Gegensatz direkt eine Krise ist.
Wie wäre es, wenn jede und jeder von uns die eigene Ambiguitätstoleranz steigern könnte? Gibt es nicht eine einfache Übung und -schwubs- können wir es besser?

Jasmin Sturm, hat ein Buch dazu geschrieben.
Jasmin Sturm? Sagt Dir nichts? Dann schau mal hier vorbei: farbflausen.de
Jasmin Sturm ist Autorin, Illustratorin, Mutter, Frau und noch vieles mehr.

Ich fasse die 200 Seiten ihres Buches über Ambiguitätstoleranz und wie wir sie verbessern können für Dich zusammen.
Die Zusammenfassung lautet:

- und gleichzeitig –

Klingt verwirrend? Ich erkläre es. Immer wenn in einem Satz oder in den Gedanken ein „Ja, aber“ oder nur ein „aber“ auftaucht, ersetzt man es durch ein „und gleichzeitig“.
Klingt nicht so schwer oder? Was macht das.

Hier ein paar Beispiele:
„Ich liebe meine Kinder ABER unser Zusammenleben ist eine Herausforderung.“
„Ich liebe meine Kinder und gleichzeitig ist unser Zusammenleben eine Herausforderung.“

„G*tt weiß, was ihr bedürft und gleichzeitig dürft ihr Eure Sorgen vor G*tt bringen.“

„Wir dürfen die alten Menschen in unserer Kirche nicht vergessen und gleichzeitig brauchen wir in der Jugendarbeit mehr Geld.

Wir klingt das?

Und gleichzeitig gibt beidem Raum und Respekt. Und gleichzeitig schafft einen Raum, in dem beides zusammen sein darf. Und gleichzeitig ist es keine Lösung - aber ein erster Schritt.
Ich will Dich einladen, es auszuprobieren. Es kostet nichts und gleichzeitig könnte es was bewegen. Vielleicht nur im Stillen, nur für Dich - damit wäre schon so viel gewonnen.

Denn unser G*tt ist Vater
und gleichzeitig Mutter
und gleichzeitig Sohn
und gleichzeitig Heiliger Geist.
Amen

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